“Christsein in der Konsumgesellschaft”

Der Mitherausgeber der ZeitGeist Bücher, Thomas Weißenborn, hat zu Beginn des Jahres ein interessantes, neues  Buch  geschrieben: „Christsein in der Konsumgesellschaft.“ Eine klasse theologische Auseinandersetzung mit dem Thema. Er zeigt darin auf, wie wir Spiritualität zu einem Konsumgut gemacht haben und nun in kleinen, genussfertigen Happen konsumieren. Dabei liegt genau in der göttlichen Spiritualität die Kraft die uns hilft mitten in der Konsumgesellschaft ein prophetisches Leben zu führen. Wie heißt es im Untertitel: „Nachdenken über eine alltägliche Herausforderung“. Diese Herausforderung ist “sperrig” und soll auch diskutiert werden. Uwe Metz macht den Anfang und schreibt folgendes:

Der amerikanische Autor Harry Blamires schrieb in den 80ern über den geistigen Zustand der Christen, dass sie “kaum weniger als der Ausdruck sentimentalen Zusammenseins” seien, weil sie “ihre große intellektuelle Bedeutung” verloren haben. Ich habe einige Jahre als Pfarrer gearbeitet und kann die Erfahrung hinter dieser leider nur bestätigen. Erstaunt war ich lediglich, dass sie bereits vor dreißig Jahren ausgesprochen wurde. Ich nahm an, dass die innerer und äußerer  Bewegungslosigkeit vieler Christen daher rührt, dass Gemeinden und Gemeinschaften ihnen die Möglichkeit geben, sich aus den “weltlichen” Verhältnissen in “geistliche” zurückzuziehen und sich den Gegebenheit dort wilig unterordnen. Schon Machiavelli machte sich über dieses Verhalten lustig. “Christen in der Konsumgesellschaft” geht den umgekehrten Weg und sagt, dass wir Christen uns den Gepflogenheiten, der “Spiritualität” des Konsums unterordnen. Diese Beobachtung finde ich faszinierend.

Widersprechen möchte ich allerdings, dass “ein konsumkonformes Christentum zwangsläufig ebenso undogmatisch wie die Konsumgesellschaft selbst” sei. Eine solche dogmafreie Zone gibt es nicht, was gerade der politische Umgang mit der Wirtschaftskrise vor Augen führt. Mir scheint, dass Thomas Weißenborn dieses Argument braucht, um die Bedeutung der Theologie und der Dogmatik wieder stark zu machen. Da es aber grundsätzlich am Bedürfnis mangelt, über den eigenen, persönlichen, den “echten” Glauben nachzudenken und man stattdessen lieber auf vorbereitete Glaubenslunchpakete zurückzugreift, fürchte ich, ist auch im theologischen Heil keine Zuflucht zu nehmen. Deshalb sehe ich auch nicht im richtigen Umgang mit den Resourcen der Schöpfung den ersten Schritt. Vielmehr sollten die ureigenen Resourcen in Betracht gezogen werden, die jeder vom Schöpfer erhalten hat: Die graue Masse zwischen den Ohren. Die Christen sollten sich – ganz im Sinne von Blamires – ihrer geistigen Kraft bewußt werden. Dann wird auch die Systematik und Theologie sinnvoll.

Im Gottesdienst Heimat finden

Gedanken von Tobias Faix am Beispiel von CT-Mosaik.

Persönliche Erfahrungen & Hintergründe
Acht Jahre war ich als Hauptamtlicher für unsere Gemeindegottesdienste verantwortlich und auch danach als Ehrenamtlicher saß und sitze ich fast jeden Sonntag im Gottesdienst oder habe aktiv mitgearbeitet. Für vieles bin ich sehr dankbar und denke, dass Gott die unterschiedlichen Gottesdienste zum Wachstum seines Reiches gebraucht. Aber ich merkte immer wieder, wie die Frage nach einem „mündigen Christsein“ in mir auf kam, wie Christinnen und Christen nicht nur in einen Gottesdienst gehen, sondern selbst Teil dieses Gottesdienstes werden können. Dabei ertappte ich mich oftmals selbst, wie ein individualistisches und konsumfreundliches Verhalten mehr Raum bekam, als ich es selbst zugeben wollte: Die Predigt war gut, wenn sie in mein theologisches Konzept passte. Oder: Die Anbetung war geistlich, wenn sie mich berührte. Die Fragen: Ob die Predigt der Gemeinde dient? oder: Ob der Lobpreis Gott geehrt hat? wurden oftmals in den Hintergrund gestellt. Von dieser Unzufriedenheit angetrieben versuchte ich mir Gedanken um Gottesdienste zu machen. Wie sahen die Gottesdienste der ersten Christen aus? Was sind gute Traditionen? Wo sind Erneuerungen nötig? Was brauchen die Menschen heute? Ein Vers, der mich dabei am meisten herausforderte, steht im 1. Korinther 14,26 (GN):

„Was folgt daraus für euch, Brüder und Schwestern? Wenn ihr zum Gottesdienst zusammenkommt, kann jeder und jede etwas dazu beitragen: ein Lied vorsingen oder eine Lehre vortragen oder eine Offenbarung weitergeben oder in unbekannten Sprachen reden oder die Deutung dazu geben. Aber alles muss dem Aufbau der Gemeinde dienen.“

Dieser Vers deckte sich so gar nicht mit den Erfahrungen der meisten Gottesdienste in Kirchen und Freikirchen meiner Umgebung. Also begann ein Prozess, in dem ich mir einige biblisch-theologische Gedanken aufschrieb, mit Freunden diskutierte und mit der Gemeindeleitung sprach. In diesen Gesprächen war ich überrascht, wie viele sagten, dass sie zwar in den Gottesdienst gehen, aber dieser für sie keine geistliche Heimat darstellen würde. Eher noch die Menschen, die sich dort treffen. Ein Jahr später entstand daraus der ct-mosaik Gottesdienst.

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“ZeitGeist 2 Postmoderne Heimatkunde”

Heute ist ZeitGeist 2 herausgekommen, worüber wir uns sehr freuen. Auch diesmal geht es um die Auseinandersetzung zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und dem Evangelium. Der “rote Faden”, der uns durch den Marktplatz, die Kirchgasse, den Boulevard und die Spielstraße führt heißt “Heimat”. Wo und wie können wir in all den Veränderungen unseres Lebens unsere geistliche Heimat finden? Persönlich, in Kirchen und Gemeinden und in der Gesellschaft. Anhand der Sinusmilieus gibt es wieder jede Menge interessanter und innovativer Praxisbeispiele.

Auf der Homepage gibt es wieder Leseproben und eine Einführung in Buch.

Danke an alle Autorinnen und Autoren die zum gelingen des Werkes beigetragen hat.

Die Diskussion kann beginnen…

“2. Auflage von ZeitGeist”

Heute ist die 2. Auflage von ZeitGeist erschienen, was natürlich ein Grund zur Freude ist. Inhaltlich hat sich außer ein paar orthographischen Verbesserungen nicht viel verändert. Was sich verändert hat ist, dass ZeitGeist eine neue Reihe anfängt: “Edition Emergent Deutschland”. Das bedeutet natürlich, dass es noch mehrere Bücher in dieser Reihe geben wird, zwei davon werden 2009 erscheinen, zum einen ZeitGeist 2 und zum anderen ein Buch über Spiritualität & Gemeinschaft(en). Es bleibt spannend.

Auch möchte ich noch mal betonen, dass der ZeitGeist Blog offen ist für Artikel, Impulse und Herausforderungen zum Thema “Evangelium & Kultur”. Schicke einfach deinen Artikel per Mail ein, wir veröffentlichen ihn dann. Es wird Zeit, dass wieder ein bisschen Leben auf den Blog kommt, es war lange genug sehr ruhig…

Missionale Gemeinde

Mit diesem Blog wollten wir von Anfang an gemeinsam über die Verbindung von Kultur und Evangelium nachdenken. Wir wollten uns gemeinsam fragen, wie wir Christus in unserer Gesellschaft nachfolgen können, und wie ein Leben aussehen kann, dass sich auch unser Umfeld dadurch verändert. Dazu wollten wir auch gerne Artikel aus dem Buch gemeinsam betrachten und den einen oder anderen Gedanken über einen Artikel des Buches hinaus denken. Das geschieht hier auch alles, wenngleich nicht mit der höchsten Frequenz.

Gestern Abend bin ich über eine Reihe von Blogeinträgen gestolpert, die im Laufe der Nacht eine Idee haben reifen lassen. Björn Wagner hat sich den Artikel ›Die missionale Gemeinde‹ von Mike Bischoff und Tobias Faix vorgenommen, liest diesen und schreibt zu einzelnen Sätzen daraus seine Gedanken auf. Da gerade dieser Artikel auch hier zum Download zur Verfügung steht, dachte ich mir, dass wir es hier mit einer wunderbaren Gelegenheit zu tun haben, zum einen den Artikel neu zu lesen, als auch unser Gespräch über oben angesprochene Fragen und das Buch neu zu beleben.

Download:
Die missionale Gemeinde (PDF / 440 KB)

Blogeinträge von Björn:
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 1)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 2)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 3)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 4)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 5)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 6)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 7)

Nun bleibt mir lediglich gutes Lesen und guten Austausch in den Kommentaren zu wünschen.

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Dekonstruktion – eine Annäherung

In diesem Beitrag möchte ich mich anhand einiger grundlegender Gedanken dem annähern was als ›Dekonstruktion‹ bezeichnet wird. Der Begriff wird im Rahmen des ›emergenten Dialogs‹ sehr oft verwendet, und sollte daher immer wieder etwas genauer betrachtet werden.

Ich habe die Hoffnung, dass wir das Wort anders verwenden, wenn wir uns in regelmäßigen Abständen einige Gedanken zu ›Dekonstruktion‹ machen. Bewusst verwende ich hier das Wort „wir“, da ich zum einen den Begriff recht häufig selbst verwende und zum anderen, weil ich hoffe dass wir hier zu einem interessanten Austausch über Dekonstruktion kommen, in dem ich eine Menge lernen kann.

Ich lade dich nun ein dem mehr»Link direkt unter diesem Abschnitt zu folgen und dort mit mir ein paar Aspekte von Dekonstruktion anzudenken und dann in den Austausch mit einzusteigen.

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Rezension von Brian McLaren: Everything must change. Jesus, Global Crises, and a Revolution of Hope, Nashville (USA): Nelson 2007

Nach „Die geheime Botschaft von Jesus“ (das ich nicht gelesen habe) legt McLaren nun einen Nachfolgeband vor, der das Thema „globale Herausforderungen“ in den Blick nimmt und auch ohne Vorkenntnisse der „geheimen Botschaft“ gut zu verstehen ist. Da ich von McLaren etwas reißerische Titel gewohnt war, war ich auch bei diesem anfangs etwas skeptisch. Aber ich muss sagen, das Buch hält, was der Titel verspricht. Es ist m. E. das bisher beste Buch von McLaren: informativ, mutmachend und herausfordernd.
Im ersten Teil erklärt der Autor, wie er überhaupt auf dazu gekommen ist, ein Buch über die weltweiten Probleme zu schreiben. Dieser Abschnitt ist zwar ganz nett zu lesen, aber mich hat er nicht wirklich bewegt. Richtig spannend wurde es erst ab dem zweiten Teil, der mit „Suicidal System“ („Selbstmordsystem“) überschrieben ist. In ihm finden wir nicht nur eine sehr überzeugende Synopse aus verschiedenen Problemlisten, die unterschiedliche internationale Organisationen und Einzelpersonen als drängendste Herausforderungen unseres Planeten beschrieben haben. Sehr eindrücklich und systematisch schildert McLaren auch, wie das „System“ aussieht, das diese Probleme produziert. Er unterscheidet dabei drei Untersysteme, die miteinander verbunden sind und sich gegenseitig bedingen. Alle drei Systeme werden im Folgenden näher erläutert und mit entsprechendem Zahlen- und Faktenmaterial untermauert (wobei der Hintergrund – wie sollte es auch anders sein – vorwiegend die US-amerikanische Perspektive ist):

  • Das „Prosperity System“ (Wohlstandssystem): Unsere Wirtschaft ist auf Wohlstandserzeugung aufgebaut. Das Mittel dazu sind die Märkte, in denen sich jeder mit seinen Gaben und Ideen einbringen kann. Die Dinge, die gesellschaftlich interessant sind, werden dadurch gefördert, die anderen können sich nicht durchsetzen.
  • Das „Security System“ („Sicherheitssystem“): Um den freien Austausch von Waren und Dienstleistungen sicherzustellen, muss ein Sicherheitsapparat geschaffen werden, der sowohl für den reibungslosen Ablauf sorgt wie auch für die Ahndung von Verstößen
  • Das „Equity System“ („Verteilungssystem“): Die freie Marktwirtschaft kann nur dann funktionieren, wenn Chancengleichheit und ein allgemeiner Zugang zu den Märkten besteht, in denen eine gute Verteilung der Güter stattfindet.

Diese drei Systeme bedingen sich gegenseitig und sind eingerahmt in der „framing story“, also dem gesamtgesellschaftlichen Mythos. Ist der Mythos destruktiv, wird daher auch das ganze System zu einer „Selbstmordmaschine“; ist der Mythos dagegen konstruktiv, wird das System zu positiven Ergebnissen führen.
McLaren versucht nun, wie ich finde, sehr überzeugend aufzuzeigen, dass unser gesellschaftlicher Mythos destruktiv ist und wir deshalb zwangsläufig die Welt an den Abgrund gebracht haben. Er macht verschiedene Elemente des destruktiven Mythos aus:

  • Wir glauben daran, dass Gewalt Probleme lösen kann. Befriedung geschieht daher bei uns vor allem dadurch, dass einer dem anderen seinen Willen aufzwingt.
  • Bei uns steht das Individuum im Mittelpunkt des Interesses, nicht die Gemeinschaft. Bei Entscheidungen hat die Gemeinschaft deshalb keine Stimme.
  • Wir leben im Jetzt und denken nicht an zukünftige Generationen, weshalb sie in unseren wirtschaftlichen und sonstigen Bilanzen auch keine Rolle spielen.
  • Sinn und Erfüllung suchen wir in materiellen Gütern und Vergnügungen und dabei in einem „immer mehr“ in allen Bereichen.

Durch diese und andere Mythen wird das System nach McLarens Ansicht zur „Selbstmordmaschine“. Der Teufelskreis sieht dabei in etwa folgendermaßen aus:

  • Durch den Individualismus wird generiert das „Wohlstandssystem“ den Wohlstand Einzelner, der vor allem dadurch entsteht, dass Güter der Gemeinschaft bzw. den zukünftigen Generationen entzogen werden. Das führt zu einer immer größer werdenden Abneigung der Armen gegenüber den Reichen, die bis hin zum Hass geht. Ebensolcher Hass entsteht auch bei den Reichen, die die Armen zunehmend als Bedrohung betrachten. Die Folge sind gegenseitige Abschottung und eine „Wir gegen die“-Mentalität.
  • Das „Sicherheitssystem“ versucht die so entstandene Unzufriedenheit niederzudrücken, agiert aber vor allem als Instrument der Reichen (die nicht nur von dem System profitieren, sondern es letztlich auch finanzieren). Es sorgt damit letzten Endes für eine Fortdauer der Ungerechtigkeit.
  • Das „Verteilungssystem“ gerät schließlich vollkommen aus dem Gleichgewicht, denn unsere Wirtschaft ist so aufgebaut, dass die, die über die entsprechenden Mittel verfügen, auch den Zugang zu den Märkten kontrollieren. Von einer gerechten Verteilung ist also nichts zu sehen, vielmehr wird sie (McLaren belegt das durch Statistiken) sowohl weltweit wie national betrachtet immer ungerechter.
  • Die Armen entdecken deshalb zunehmend, dass das System nicht ihnen, sondern den Reichen dient. Damit steigt ihr Hass und auf der anderen Seite das Sicherheitsbedürfnis. Die Folge sind Gewaltausbrüche und Terrorismus.
  • Hinzu kommt eine immer weiter anwachsende Umweltzerstörung, die dadurch bedingt wird, dass die Individuen nicht mehr kleinen Gemeinschaften gegenüber verantwortlich sind. Auch Großkonzerne, die Arbeitsplätze und Müll problemlos weltweit verschieben können, handeln in dieser Hinsicht wie Psychopathen.

Die Lösung dieser vertrackten Situation kann nach McLaren nicht in einem Herumdoktern an einzelnen Problemen bestehen, sondern „everything must change“, wie der Titel sagt. Ihm geht es um nichts weniger als um die Implementierung einer anderen „framing story“, die er aus dem Evangelium Jesu ableitet. In ihr gelten Werte wie Gemeinschaft, Ausgleich von Interessen, Gewaltfreiheit und ähnliches mehr. Wie man es von ihm gewohnt ist, legt McLaren in diesem Zusammenhang nicht nur den Finger auf einige wunde Punkte des evangelikalen Christentums (inklusive so heikler Fragen wie: Wie kann man von dem US-amerikanischen Volk, das zu 44% davon überzeugt ist, dass der Herr in den nächsten fünfzig Jahren wiederkommt, einen Beitrag zur Erhaltung der Schöpfung erwarten?), er liefert auch einige erfrischend andere Exegesen zu Evangelientexten.
Besonders gelungen finde ich zudem, wie McLaren das Riesenthema „globale Krise“ auf einige ganz konkrete Handlungsschritte herunterbrechen kann: Was müssen Staaten tun? Was können einzelne kleine Gemeinschaften tun? Was kann der Einzelne tun?
Das Buch endet mit einer Aufforderung zu einer „Revolution der Hoffnung“, zu der sich der Autor trotz seiner etwas pessimistischen Sicht der Lage durchringt. Hierin liegt jedoch auch die schon aus anderen Publikationen bekannte Schwäche McLarens. Da er in den biblischen Texten zur Eschatologie nur „Visionen“ sieht, aber nicht wirklich Bilder für die Zukunft, fehlt ihm auch der Grund für eine Hoffnung auf Besserung. Die Zukunft liegt damit ganz in der Hand des Menschen.
Den von ihm ausgemachten Problemen und daraus folgenden Herausforderungen und Handlungsaufforderungen tut das freilich überhaupt keinen Abbruch. Das Buch ist daher wärmstens zu empfehlen. Ich hoffe, dass es bald in deutscher Übersetzung zugänglich sein wird und auch hierzulande eine sehr breite Leserschaft finden wird. Auf dass die Revolution der Hoffnung ihren Anfang nehmen möge…

„Bekehrung — Versuch einer Dekonstruktion”

Es gibt eine vielfältige “Geschichte der Bekehrung”, sowohl in der Bibel und der Kirchengeschichte als auch in der persönlichen Tradition. Was aber ist “Bekehrung”? Die großen Kirchen sehen die Taufe als (rettendes) Sakrament, das das Handeln Gottes vor jedem menschlichen Handeln ausdrücken soll. Freikirchliche Evangelisten lassen aufstehen, andere nach vorne gehen, um die  menschliche Entscheidung zu unterstreichen. Viele erleben Bekehrung als tiefes, mystisches, eindrückliches und unvergessliches Gotteserlebnis. Manche können über ihre Bekehrung nach 20 Jahren nur unter Tränen reden, andere haben es längst vergessen. Bonhoeffer unterscheidet zwischen seelischer und geistlicher Bekehrung. Für Francke war das Datum wichtig, für Zinzendorf die Tränen. Reformierte betonen vor allem die Prädestination, bei der die Bekehrung in erster Linie als ein Werk Gottes am Menschen betrachtet wird. In vielen Ländern bedeutet Bekehrung den totalen Lebenswandel und Verfolgung, bei uns oft “nur” eine innere Umkehr. Auch in der Bibel scheint es unterschiedliche Schwerpunkte zu geben: bei Matthäus bedeutet Bekehrung eher Nachfolge, bei Johannes Neugeburt und eins werden mit dem Vater, bei Paulus gerechtfertigt werden aus Gnade.
1.    Wie hast du Bekehrung erlebt? In welcher “Bekehrungstradition”  stehst du?
2.    Theologische Frage: Was passiert im geistlich bei der Bekehrung?  (Was verstehst du theologisch unter Bekehrung?)

Studientag in Marburg

Einen Studientag zu „Emerging Church“ durchzuführen, wie das „Emergent Deutschland“ am 28. November in Zusammenarbeit mit der Studien  und Lebensgemeinschaft Tabor und dem Marburger Bibelseminar getan hat, ist in vieler Hinsicht eine Herausforderung. Schon das Thema selbst ist in manchen Kreisen umstritten. Während die einen große Hoffnungen auf die „Emerging Church“ (was man in etwa mit „entstehende/ sich entwickelnde Gemeinde“ wiedergeben kann) setzen, sehen andere in ihr eine neue Bewegung des Liberalismus, die zu weiteren Einbrüchen in der evangelikalen Welt beitragen könnte. Mit dem Amerikaner Brian McLaren war zudem einer der profiliertesten und damit auch umstrittensten Vertreter dieser Bewegung eingeladen. Jason Clark, der mit ihm zusammen den Tag gestaltete, ist Leiter von „Emergent-UK“, einem lockeren Netzwerk von Pastoren und christlichen Leitern in Großbritannien.
Um es gleich vorweg zu sagen: Wer McLaren (wie ich) bisher nur aus Büchern kannte, war überrascht und vielleicht im positiven Sinne auch ein bisschen enttäuscht. Wie D.A. Carson, einer seiner konservativen Kritiker, einmal bemerkt hat, fällt es schwer, ihn nicht zu mögen. Von dem polarisierenden Stil, der manche seiner Veröffentlichungen prägt und sich in Buchtiteln wie „Die geheime Botschaft Jesu“ oder dem ganz neuen „Everything must change“ („Alles muss sich verändern“) niederschlägt, war während dieses Tages überhaupt nichts zu spüren. McLaren trat vielmehr sehr väterlich auf, als Suchender und Fragender, der keineswegs behaupten könne, die Antworten zu besitzen, weswegen er auch mehr Fragen aufwarf als beantwortete. Auch Jason Clark berichtete von nicht wenigen Herausforderungen, vor denen er als Gemeindeleiter steht, für die er bisher keine Lösung gefunden hat. Ziel des Tages war damit eher das gemeinsame Gespräch und nicht die Vorstellung eines Konzeptes. Bezeichnenderweise lehnte McLaren sogar den Begriff „Emerging Church“ ab und sprach stattdessen lieber von einer „Emerging Conversation“, einem sich entwickelnden Gespräch über die Konfessionen und Kontinente hinweg.

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Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Studientag kann hier als PDF heruntergeladen werden.

Emergent Deutschland

Emergent Forum 2007

In dieser Woche nimmt Emergent Deutschland immer deutlicher Gestalt an. Dabei handelt es sich um eine offene Begegnungsplattform für alle diejenigen die sich mit Fragen nach Christsein und Kirche in unserer Zeit und dem Verhältnis von Evangelium und Kultur beschäftigen. Einige der Autoren des ZeitGeist-Buches haben sich in diesem Zusammenhang schon vernetzt, andere werden bei einigen der folgenden Veranstaltungen dabei sein. Wenn du das Buch gelesen hast und dich die Themen darin angesprochen haben, könnten die kommenden Treffen auch in deinem Interesse sein. Es wird zwei Studientage und ein Forum geben.

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