„Bekehrung — Versuch einer Dekonstruktion”

Es gibt eine vielfältige “Geschichte der Bekehrung”, sowohl in der Bibel und der Kirchengeschichte als auch in der persönlichen Tradition. Was aber ist “Bekehrung”? Die großen Kirchen sehen die Taufe als (rettendes) Sakrament, das das Handeln Gottes vor jedem menschlichen Handeln ausdrücken soll. Freikirchliche Evangelisten lassen aufstehen, andere nach vorne gehen, um die  menschliche Entscheidung zu unterstreichen. Viele erleben Bekehrung als tiefes, mystisches, eindrückliches und unvergessliches Gotteserlebnis. Manche können über ihre Bekehrung nach 20 Jahren nur unter Tränen reden, andere haben es längst vergessen. Bonhoeffer unterscheidet zwischen seelischer und geistlicher Bekehrung. Für Francke war das Datum wichtig, für Zinzendorf die Tränen. Reformierte betonen vor allem die Prädestination, bei der die Bekehrung in erster Linie als ein Werk Gottes am Menschen betrachtet wird. In vielen Ländern bedeutet Bekehrung den totalen Lebenswandel und Verfolgung, bei uns oft “nur” eine innere Umkehr. Auch in der Bibel scheint es unterschiedliche Schwerpunkte zu geben: bei Matthäus bedeutet Bekehrung eher Nachfolge, bei Johannes Neugeburt und eins werden mit dem Vater, bei Paulus gerechtfertigt werden aus Gnade.
1.    Wie hast du Bekehrung erlebt? In welcher “Bekehrungstradition”  stehst du?
2.    Theologische Frage: Was passiert im geistlich bei der Bekehrung?  (Was verstehst du theologisch unter Bekehrung?)

58 Reaktionen zu “„Bekehrung — Versuch einer Dekonstruktion””

  1. Sammy

    War kein Punkt sondern ein Prozess

  2. toby

    Was heißt Prozess? Wie lang ging de? Was ist dabei passiert? Würde mich interessieren. :)

  3. Sammy

    Hab mir danach auch gedacht, dass das wohl ein bißchen kurzgefasst war ;-)

    Bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, die Existenz Gottes war auch immer klar. Das es eine Beziehung wurde, hab ich erst während meiner Jugend(die dauert jetzt auch noch an) gemerkt, das mein Gebet über das Kinderabendgebet hinausgeht, das sich bei mir etwas verändert. Aber einen bestimmten Punkt, bei dem ich nach vorne zu Ulrich Parzany gegangen bin, gab es nie(obwohl ich mir so etwas simples immer gewünscht hatte, wo es einen klaren Punkt gibt). Ein spezifischer Moment, in dem die Stimme Gottes in mein Leben reinzureden begonnen hat, gab es nicht, keine 100%-Kehrtwende, eher ein reinfinden in einen Glauben, der früher mehr Form war(wobei meine Eltern immer ein tolles Vorbild waren)
    Die Zeitspanne kann ich auch nur abschätzen, insgesamt von meinem Erinnerungsvermögen an, intensive Phase vllt 4 Jahre

    Noch Fragen? ;-)

  4. toby

    Danke. :)
    Eine Frage noch: War der “Prozess” nach den vier Jahren abgeschlossen oder ging er dann auch noch weiter?

  5. Sammy

    :-) Es war kein Prozess mit richtigem Anfangspunkt also würde ich auch keinen Definitiven Endpunkt setzen

  6. toby

    Noch eine Frage: Wie hat sich in diesem Prozess deine Gottesbeziehung (und dein Gottesbild) verändert? Gibt es so was wie “Heilsgewissheit”?

  7. Sammy

    Kann man schon so sagen, Heilsgewissheit war eigentlich immer da,
    Gottesbeziehung ging von, Kinderabendgebet über ab und zu mal ein paar Bitten, das dann irgendwann regelmäßig und eine beidseitige Beziehung.
    Gottesbild nicht unbedingt das klassische weißer Bart-Bild, aber genauso unpersönlich. Dann wohl eher Kosten-Nutzen mäßig, ich muss leben wie es ihm gefällt und bekomme dafür ewiges Leben. Und schließlich ein breitergefächertereres Bild, allmächtiger Gott, der mich liebt…, ich hoffe, dass trifft alles, wie es ist, ist ein bißchen schwierig, das im Nachhinein festzumachen oder teilweise neutral darzustellen ;-)

  8. toby

    Noch eine letzte Frage: :)
    Welche Bedeutung hat die Bekehrung für dich persönlich? dein Glaubensleben? Wenn du zurückschaut auf deine Glaubensentwicklung?

  9. Sammy

    Meinst du den Prozess oder den Begriff der Bekehrung?

  10. toby

    Bei dir persönlich den Prozess und theologisch den Begriff der Bekehrung für deinem Glauben oder Glauben allgemein.

  11. Sammy

    Vllt muss ich auch nochmal definieren, Bekehrung als klassischer Begriff ist für mich eine radikale Kehrtwendung zum Glauben, das habe ich früher immer bei mir vermisst und ich habe mich gefragt, ob ich denn überhaupt richtig glaube, mittlerweile bin ich schon eine Zeit lang darüber hinweggekommen ;-) Ich muss wohl nochmal genauer darüber nachdenken, was Glauben für mich ausmacht :-)

  12. toby

    Danke!

  13. Siggi

    Braucht Bekehrung ein genaues Datum oder kann das auch ein Prozeß sein? Oder wie lange wachse ich zu Gott hin und wann wachse ich mit Gott weiter? Oder ändert eine Bekehrung alles komplett – ist danach wirklich alles anders? Und wie ist das mit der Taufe (Kindertaufe, Glaubenstaufe)?
    Fragen über die man viel diskutieren kann :) !

    Bei mir war´s ein Prozess, ein langsames hineinwachsen. Und trotzdem hab ich das Datum, den Schritt nach vorne gebraucht. Und heute ist´s immer noch ein Prozess mit Fragen und Zweifeln. Aber ich würde sagen, das ist ein anderer Prozess.
    Ich komme aus einem nicht christlichen Elternhaus, wurde (wie sich das gehört) als Baby getauft und später auch in den Kindergottesdienst und in die Jungschar geschickt (ist ja nichts schlechtes). Und ich lernte Gott kennen. Dann Konfirmanden-Unterricht, Konfirmation. Ich wuchs hinein und für mich war, ohne genauen Entscheidungspunkt klar, dass ich mit diesem Gott leben will, dass es Sinn macht.
    Eine Woche nach meiner Konfirmation war bei uns eine Jugendevangelisation. Und an einem Abend bin ich nach vorne. Meine Entscheidung für Jesus war vorher klar, aber ich habe den Schritt nach vorne gebraucht, das war mir wichtig. Das war mit 14.
    Jetzt bin ich 29 (BWL-Studium, theologische Ausbildung) und ich denke, ich stecke heute immer noch mittendrin in einem Prozess mit Gott – und das wird wohl das ganze Leben (zumindest hier auf der Erde) so sein.
    Mit der Bekehrung wurde nicht alles anders, auch nicht alles einfacher,… die Fragen und Zweifel wurden sogar mehr… mit mehr Wissen und Erfahrungen kommen wahrscheinlich auch mehr Fragen…
    Und ich muss mich immer wieder neu für Gott entscheiden, mich immer wieder neu mit ihm auf den Weg machen – obwohl die eine Entscheidung steht.
    Bekehrung – es war für mich keine große Kehrtwende, nicht die große Umkehr, sondern eigentlich ein Prozess, ein Hineinwachsen.
    Manchmal vermiss ich, dass es nicht das große Event war, plötzlich alles anders. Aber ich bin mir auch nicht sicher, ob es das wirklich so gibt. Der Alltag, das Umfeld, die Probleme,… sind die gleichen. Insofern denk ich, dass nicht alles anders ist, aber sicher ist, dass Jesus dabei ist.

  14. Hufi

    Zu dem Thema empfehle ich die Lektüre von Peter Aschoffs Vortrag
    Sünde, Kreuz und Bekehrung im Horizont der Postmoderne
    .

  15. toby

    @siggi: Vielen Dank für deine Geschichte, finde ich sehr interessant und kann es gut nachvollziehen. Noch eine Nachfrage, wenn erlaubt, du schreibst: “Und ich muss mich immer wieder neu für Gott entscheiden…” was heißt das für dich und wie sieht das aus? Danke.

  16. Siggi

    @toby: Das ist schwer zu beschreiben. Die Grundentscheidung steht und die war mit 14 sehr ernst gemeint. Und ich würde auch sagen, das war meine Bekehrung – hin zu Jesus mit der Entscheidung mit ihm zu leben. Und dann kommen im Prozess des Erwachsenwerdens (oder Älterwerdens) einfach Fragen, Situationen, Erfahrungen hinzu, in denen ich Gott nicht verstanden habe (und verstehe) oder neu erlebt habe, an ihm gezweifelt habe, mir überlegt habe, ob das mit Gott überhaupt Sinn macht,… das heißt für mich, ich muss mich immer wieder neu entscheiden, diesem Gott zu vertrauen, den Weg mit ihm zu gehen.
    Wie das aussieht: immer wieder neu im Gebet zu Gott sagen, ja ich will mit dir leben, auch wenn ich 1000 Dinge nicht verstehe, will ich mich auf dich einlassen… Das ist jetzt nicht täglich, aber immer wieder (je nach Bedarf :) ).
    Verstehst du, was ich sagen will? Hat das deine Frage ein bisschen beantwortet? Sonst frag einfach nochmal nach.

  17. Siggi

    @toby: Nachtrag: Und dann gibt´s einfach ganz viele Dinge und Situationen, in denen ich mich nicht fromm/nicht christlich/nicht sozial verhalte und gegenüber Menschen und gegenüber Gott schuldig werde. Wo ich genau weiß, o.k., das war jetzt nichts. Und auch dann brauche ich wieder eine Entscheidung für Gott, ein bewusstes Hinwenden. Vielleicht kann man das auch “Umkehr” nennen. Aber es ist für mich eher ein zu “großes” Wort. Ich verbinde damit eher eine radikale Wende.

  18. toby

    Also könnte man sagen, dass deiner “Bekehrung” so eine Art Startschuss für deine Beziehung mit Gott war, die dann immer wieder erneuert udn bestätigt wurde und wird?

  19. Siggi

    Ein “offizieller Startschuss”. Es war nicht von heute auf morgen, davor war ein Prozess, auch schon ein ja zu Gott. Aber dann war´s irgendwie so verbindlich, öffentlich, offiziell. Und ich hab das auch gebraucht.

  20. toby

    Was glaubst du war wichtiger/eher: Dein Ja zu Gott oder Gottes Ja zu dir?

  21. Siggi

    Damals oder jetzt?
    Wichtiger oder eher?

  22. toby

    damals. Was war eher?
    heute? Was war wichtiger?

  23. Siggi

    Ich weiß nicht, ob ich hier mit „wichtig“ und „unwichtig“ kategorisieren würde. Ich denk das ist falsch, weil beides wichtig ist und beides zusammen gehört, damit eine Beziehung zu Gott möglich ist. Und ich denk auch, dass beide Ja´s erforderlich sind, damit eine Beziehung zu Stande kommt. Eins ohne das andere geht nicht.

    Und jetzt kommen die theologischen Streitfragen :) .
    Ich denke, dass Gottes Ja zuerst da war und auch heute immer noch zuerst da ist. Gott hat die Erde (mit allem drum und dran) erschaffen. Und er bekennt sich zu ihr, steht zu ihr, obwohl er weiß, dass die Menschen „böse“ sind. Und Gott kennt jeden Menschen, noch bevor er als Baby auf die Welt kommt. Ohne Gott würde es uns und diese Erde gar nicht geben.

    Aber das heißt für mich nicht, dass damit alle Menschen gerettet sind, eine Beziehung zu Gott haben, Christen sind (keine Allversöhnung, keine billige Gnade, kein Freifahrtschein in den Himmel,…!!!).
    Zu Gottes Ja muss noch mein Ja kommen. Ich muss das annehmen (bewusst wollen, mit aller Konsequenz). Christ sein muss Folgen haben, sichtbar sein. Nicht so ein Kuschel-Christsein (Gott liebt mich, also kann ich tun und lassen was ich will…).

    Und heute. Mir ist Gottes Ja wichtig. Dass sein Ja immer gilt, und dass er mir hinterherläuft, in meinen Fragen, Zweifeln, in meinem Versagen, in meiner Schuld,… und immer wieder ja zu mir sagt – komm ich mag dich trotzdem, es ist o.k., neue Chance…
    Aber ich merk auch, dass ich auch immer wieder ja sagen muss, ja Gott, ich versteh dich nicht, aber ich will trotzdem mit dir unterwegs sein.
    Mit “wichtiger” tu ich mich schwer, weil ich denk, eins ohne das andere funktioniert nicht.

  24. toby

    Ich danke dir ganz herzlich für deine offenen Auskünfte. :)

  25. Eagleeye

    dachte ich schalte mich auch mal Kurz in den Diskurs ein.
    Nach dem ich gestern persönlich ermutigt wurde, diesen Zwischenruf zu posten hier ist er *zu Tobi schiel*

    Ich verfolge die emerging Diskussion schon lange interessiert und mit großer Freude. Ich glaube es braucht diesen Diskurs.

    Was wir aber auch brauchen ist eine gute Außenkommunikation.

    Was bedeutet zum Beispiel Dekonstruktion. Im emerging church Kontext ist das ganz klar. Ab er was denkt sich jemand, der diesen ganzen Denkhintergrund nicht hat, und vielleicht in der Moderne u.U. evangelikal großgeworden ist.

    Wenn der hört, das hier zum Beispiel über die Dekonstruktion von Bekerhung nachgedacht wird, dann keinen akademischen Background hat, und noch nie von emerging church gehört hat, dann wird der als ersten Einruck einer solchen Headline haben: Die Denken es braucht keine Bekehrung mehr. Und damit haben wir ihn verloren.

    KÖnne wir hier nicht bessere Begriffe finden, die in sich nicht schon konflikthaft sind? Ich glaube dann bleibt uns manche Kritik und manches Missverständnis erspart.

    Also hier meine persönliche Wunschliste.

    an den definitorischen Grundlegungen arbeiten, das ganze in taugliche, griffige, verständliche und am besten nicth polarisierende Wordings packen und das dann in einer breiten (christlichen) Öffentlichkeit kommunizieren. (da ist wohl wieder der Journalist druchgekommen)

    So far und nebenbei: Die Dekonstruktion an sich, die dann vielleicht nicht mehr so heißt ist ne gute SAche. Weitermachen :-)

  26. toby

    Vielen Dank. Das ist ein sehr guter Hinweis und eine wichtige Ergänzung. Manchmal gehe ich von Dingen aus, die für mich klar sind, für andere aber nicht. Und manchmal ist es genau andersrum. :)

  27. John

    Bedeutung der Bekehrung für mich in einer kurzen Illustration:
    Jemand steigt in einem Zug ein, fährt einige Zeit damit und merkt dass er in die falsche Richtung fährt. Also steigt er aus und nimmt den einzigen Zug in die entgegengesetzte Richtung.

    Anders gesagt:
    Man lässt sein altes Leben sein und beginnt ein neues Leben mit Jesus.
    Das heißt nicht dass man nicht hinfallen kann, jedoch ist es wichtig wieder aufzustehen und weiter zu gehen.

  28. toby

    @john: Danke, Wie zeigt sich das neue Leben, der neue Zug? Wie lässt man sein “altes Leben” hinter sich? Das hört sich gut an, ist aber auch etwas abstrakt, kannst du das ein bisschen erklären?

  29. Siggi

    Ist Bekehrung wirklich so krass? Ein Leben das sich sofort total ändert? Eine komplett andere Richtung? Aus dem einen Zug raus, in den andern rein.
    Das gibt´s bestimmt. Aber ich denke, dass viele Menschen nicht dieses krasse Bekehrungserlebnis haben, eher den Prozess. Und dann trifft man eine Entscheidung für Jesus, lebt mit ihm und stellt fest, dass es doch immer auch noch irgendwie das gleiche Leben ist, die gleichen Sorgen und Probleme, die gleichen Dinge, die Spaß machen,… Es ist nicht alles anders.
    Vielleicht ist es ja eher so, dass Jesus mit in meinen Zug einsteigt und erstmal mitfährt?
    Es wird ja oft gepredigt, werde Christ und dein Leben/die Welt ist in Ordnung. Heute Morgen im Gottesdienst hat einer ein Experiment mit trübem, dunkelm Wasser gemacht (unser Leben). Dann kommt Jesus dazu und es wird rein, hell. Aber ist das wirklich die Realität? Meine Erfahrung sagt mir auch was anderes.

  30. toby

    Das ist ja gerade das Interessante, es gibt völlig verschiedene Beschreibungen, Prozesse und Erlebnisse, was es ja gerade spannend macht. Darum soll es hier ja auch gehen… :)

  31. John

    @toby:
    Nun die Bekehrung ist individuell. Man kann nicht sagen, dass es bei jedem gleich ist. Bei Apostel Paulus war es eine plötzliche Bekehrung. Bei ihm war es wirklich so dass er in dem neuen Zug eingestiegen ist.
    Natürlich muss man vom Heiigen Geist überzeugt werden. Vielleicht klingt das zu theologisch, aber es ist so.
    Der Heiligen Geist macht einem irgendwann und irgendwie klar dass man ein Sünder ist und nur durch Jesus Christus Erlösung findet.
    Bei mir war das nicht wie beim Paulus. Bei mir ging das nicht so schnell vor sich.

    Ich formuliere es mal so:
    Ich musste erst aus dem Zug aussteigen, dann eine Pause auf dem Bahnhof machen, um mich ein wenig umzuschauen und auch nach dem richtigen Zug suchen. Dann erst stieg ich in dem anderen Zug ein.

    L.G.

  32. toby

    Hast du den Zug ausgesucht oder hat Gott dich in den Zug gesetzt?

  33. John

    Gott hat Paulus hineingesetzt, mich aber nicht. Er hat mir lediglich die Fahrkarte bezahlt (Analogie: Jesu Werk), ich hatte die freie Wahl hinein zu steigen oder nicht.

  34. toby

    Also,. freier Wille?

  35. John

    So ist es. Gott zwingt ja niemanden. Jeder hat die freie Wahl. Adam und Eva hatten auch die freie Wahl. Gott hat ja Menschen erschaffen und keine Roboter.

    L.G.

  36. toby

    Also gibt es sowas wie Vorherbestimmung nicht?

  37. John

    Vorherbestimmung ist eine anderes und schwieriges Thema.
    Ich glaube dass jeder die Qual der Wahl hat, sonst wäre ja Gott ungerecht. Zumindest wenn diese Überlegung mit der menschlichen Vernunft und Logik angeht.

  38. toby

    Aber ist diese Logik nicht beeinflusst von der gegenwärtigen Gesellschaft, also dem Umbruch Moderne/Postmoderne und da speziell vom Individualismus? Oder gehen wir noch weiter zurück: Die Aufwertung der Vernunft geschah ja weitgehend durch den Humanismus. Oder anders ausgedrückt: Muss Gott immer logisch handeln?

  39. John

    Ich meinte ja dass man solche Überlegungen immer nur mit unserer Vernunft, die durch den Heiligen Geist beeinflusst wird – wenn wir es zulassen – anstellen kann.
    Gott muss nicht immer logisch sein, deswegen muss man eben “glauben”.
    Das alles geht eher in Richtung Philosophie.
    Hier übrigens ein Buch das man lesen sollte:
    “Der letzte Gottesbeweis” von Robert Spaemann.

  40. toby

    Danke für den Tipp.
    Noch eine Frage: Wenn dich der Heilige Geist beeinflusst, ist es dann noch deine freie Entscheidung?

  41. John

    Natürlich ist es noch meine freie Entscheidung. Den Er zeigt mir nur was gut und richtig ist, aber ich bin immer noch derjenige der dann die Wahl trifft.
    Du scheinst anscheinend anderer Meinung zu sein. Welche ist das?

  42. John

    Ich glaube ich habe mich falsch ausgedrückt als ich das Wort “beeinflusst” verwendet habe. Man wird ja nicht manipuliert sondern man hat die freie Wahl.

  43. toby

    Ich glaube, dass es ein Zusammenspiel von Gott (Heiliger Geist) und dem Menschen ist. Ohne das Wirken des Heiligen Geistes, kann ich Gott nicht erkennen und dann bleibt natürlich die Frage, wie viel Einfluss ich dann überhaupt noch auf diese Entscheidung habe. Paulus bringt diese Spannung in Philipper 2,12 13 ganz gut auf den Punkt.

  44. John

    Man muss natürlich alle Bibelverse, die das gleiche sagen, in Beziehung bringen.
    Paulus sagt: „Gott ist es, der in euch das Wollen und das Vollbringen bewirkt“ (Phil. 2:13) – aber auch Jesus Christus erklärt: „Getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen“ (Joh. 15:5). Gott wirkt alles.
    Paulus sagt ausserdem noch: „Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin, und sein gnädiges Handeln an mir ist nicht ohne Wirkung geblieben. Mehr als sie alle habe ich mich abgemüht – nicht ich, sondern die Gnade Gottes zusammen mit mir“ (1 Kor. 15:10).

    Gottes Plan geht auf jeden Fall in Erfüllung. Wir Menschen können da nichts tun. Aber in Bezug auf “an Gott zu glauben” oder “an Gott nicht zu glauben”, da haben wir freie Wahl.

  45. toby

    Kann das aber nicht ein Widerspruch sein? Wenn Gottes Plan für dich vorsieht, dass du an ihn glaubst, du aber aus freiem Willen nein sagst, was ist dann? Wer setzte sich durch? DU oder Gott?

  46. John

    Ich bin der Meinung es geht gar nicht darum wer sich durchsetzt, denn sonst könnte das Menschliche Ego zu groß werden…

    Gottes Plan ist die Errettung der Menschheit. Gotte hat Jesus geschickt, um für uns am Kreuz zu sterben, um anschließend aufzuerstehen damit wir auch heute noch die Möglichkeit haben durch den Glauben an Ihm erlöst zu werden (siehe auch Römer 10:9, etc.).
    Wenn jemand aber nicht glauben will, dann hat Jesu Aufopferung keine Wirkung auf ihn. Oder?
    Im Römerbrief kann man eigentlich alles genau nachlesen, angefangen mit Kapitel 5.

  47. toby

    Wenn das mit dem nachlesen immer so einfach wäre…. :)

  48. John

    :-)
    Nochmals zurück zu Philipper 2:12-13; eine kurze Erklärung:
    Hier geht es um die eigene Seligkeit und darum dass wenn wir diese Seligkeit erreichen wollen, dann bewirkt in uns Gott das Wollen und das Wirken.
    Die Übersetzung der Bibel “Hoffnung für alle” ist da verständlicher.

  49. toby

    mmhh, gerade die HfA übersetzt so, dass Gott der aktive ist und nicht der Mensch: “Er selbst bewirkt ja beides in euch: den guten Willen und die Kraft, ihn auch auszuführen.” Da steht nichts von “wenn wir diese Seligkeit erreichen wollen”.

  50. John

    Das mit der Seligkeit habe ich in einer Online- Bibel nachgelesen, ich glaube Elberfelder- Übersetzung. Aber normalerweise ist die HfA verständlicher.
    In der HfA steht:
    “… Arbeitet mit Furcht und Zittern an eurer Rettung… Er schenkt euch den Willen und die Kraft, …”.
    Man kann nicht nur Vers 13 aus dem zusammenhängenden Text nehmen und interpretieren, man muss auch die Textteile vorher und nachher einbeziehen.

  51. toby

    Amen Bruder! Wie ich schon vorhin sagte, beide Verse ergeben eine unauflösbare Spannung in der wir uns bewegen.

  52. John

    Die Spannung ist groß aber nicht unlösbar.
    Der Heilige Geist wird uns aufklären. :-)

  53. toby

    Das ist ein salomonisches Ergebnis! :)

  54. “Bekehrung” reimagined | Vries-Land.de

    [...] dem ZeitGeist-Blog regt Tobias Faix die Dekonstruktion des Begriffs “Bekehrung” an. Einige Gedanken dazu: [...]

  55. Peter

    Im Neuen Testament kommt “Bekehrung” eigentlich gar nicht vor (Ausnahme: Apg. 15,8 in meiner Einheiz-Übersetzung). Von daher ist die Frage, welche Begriffe bei Matthäus, Paulus etc. Du hier herangezogen hast für Deine These…?

    Bekehrung ist eigentlich geschichtlich gesehen ein pietistischer Begriff für ganz bestimmte Erfahrungen in einem ganz bestimmten psychosozialen Kontext. Ich halte ihn heute genau deswegen für schwierig. Warum gehen wir nicht wieder zurück zu den biblischen Begriffen (und damit zu meiner ersten Frage)?

  56. toby

    Genau darum geht es ja! :)
    Wir tun so als ob, unser “Bekehrungsbegriff” der einzig wahre biblische sei, aber wir finden ihn so gar nicht in der Bibel. Aber es gibt wesentliche andere BEgriffe, von denen wir für heute neu lernen können, es nur der Begriff “Nachfolge oder Nachahmung” genannt…

  57. jordanus

    ich glaube zinzendorf und francke haben sich auch darüber gestritten, ob bekehrung überhaupt wichtig ist. francke sagte, man muß sich bekehrt haben. zinzendorf dagegen fand am wichtigsten ist es, dass man jesus für seinen retter hält und ihm nachfolgt.

  58. Johannes

    In der Bibel steht schon was von Bekehrung, aber es werden dort Worte wie Buße, also abwenden von der Sünde und eine Umkehr zu Gott, gebraucht.
    Glaube wird dort aber als Heilsnotwendig gesehen, also ein Vertrauen in Jesus, und m.a ist das ein Ergebnis der Hinwednung zu Gott im Gebet, also Bekehrung. In Römer steht auch, dass jeder der denn Namen des Herrn anruft gerettet wird