Kommentare zu: Dekonstruktion – eine Annäherung http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/ Kultur und Evangelium in der Postmoderne Tue, 08 Oct 2013 15:59:00 +0000 hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.3.1 Von: grossir les testicules http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/comment-page-1/#comment-318 grossir les testicules Fri, 12 Apr 2013 05:31:48 +0000 http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/#comment-318 whoah this blog is excellent i like studying your posts. Keep up the great work! You understand, many individuals are looking around for this info, you could aid them greatly. whoah this blog is excellent i like studying your posts.
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Von: Daniel http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/comment-page-1/#comment-211 Daniel Sun, 07 Dec 2008 00:55:28 +0000 http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/#comment-211 Deine Aussage Jordanus, dass Jesus mit dem Satz „ich bin der Weg...“ auf eine statische Wahrheit hinweist stelle ich in Frage – im Textzusammenhang scheint es meiner Ansicht nach gerade um etwas anderes als um eine statische Wahrheit, sondern um einen Weg zu gehen. Ich sehe das ähnlich wie du, Scipion, Jesus stellt vieles in Frage und deckt dadurch eine Reihe Annahmen und Urteile auf. Meiner Ansicht nach ist eine rein individuelle Entscheidungen für oder gegen einen Weg kaum möglich, da wir zu sehr in Interaktion mit unserem Umfeld stehen als sagen zu können „dafür habe ich mich selbst entschieden“. Ich würde die Argumentation auch nicht so sehr in Richtung von richtig und falsch lenken sondern mehr von der Perspektive her denken was gut ist – im Sinne was leben fördert. Und an dieser Stelle würde ich mit Paulus sagen, dass uns alles erlaubt ist auch wenn nicht alles gut ist. In diesem Zusammenhang rede ich gerne von einem Leben in Harmonie mit der Idee Gottes, diese Idee bleibt immer zu großen Teilen Spekulation, über die unterschiedlichsten Zeugnisse des Handelns Gottes ist jedoch eine gewisse Annäherung möglich. Wenn angenommen wird, dass die Menschheit als Gegenüber Gottes geschaffen ist und eingeladen ist an der dreieinigen Gottesgemeinschaft teilzunehmen, dann ist ein Leben in Harmonie mit Gottes Idee im Menschen anzunehmen – zumindest tue ich das – und das wäre meiner Ansicht nach auch ein Hinweis auf ethische Entscheidungen angesichts relativistischer Einsichten. In all diesen Aspekte sehe ich Gott eng mit dekonstruktivistischem Denken verbunden. Deine Aussage Jordanus, dass Jesus mit dem Satz „ich bin der Weg…“ auf eine statische Wahrheit hinweist stelle ich in Frage – im Textzusammenhang scheint es meiner Ansicht nach gerade um etwas anderes als um eine statische Wahrheit, sondern um einen Weg zu gehen.

Ich sehe das ähnlich wie du, Scipion, Jesus stellt vieles in Frage und deckt dadurch eine Reihe Annahmen und Urteile auf. Meiner Ansicht nach ist eine rein individuelle Entscheidungen für oder gegen einen Weg kaum möglich, da wir zu sehr in Interaktion mit unserem Umfeld stehen als sagen zu können „dafür habe ich mich selbst entschieden“. Ich würde die Argumentation auch nicht so sehr in Richtung von richtig und falsch lenken sondern mehr von der Perspektive her denken was gut ist – im Sinne was leben fördert. Und an dieser Stelle würde ich mit Paulus sagen, dass uns alles erlaubt ist auch wenn nicht alles gut ist. In diesem Zusammenhang rede ich gerne von einem Leben in Harmonie mit der Idee Gottes, diese Idee bleibt immer zu großen Teilen Spekulation, über die unterschiedlichsten Zeugnisse des Handelns Gottes ist jedoch eine gewisse Annäherung möglich. Wenn angenommen wird, dass die Menschheit als Gegenüber Gottes geschaffen ist und eingeladen ist an der dreieinigen Gottesgemeinschaft teilzunehmen, dann ist ein Leben in Harmonie mit Gottes Idee im Menschen anzunehmen – zumindest tue ich das – und das wäre meiner Ansicht nach auch ein Hinweis auf ethische Entscheidungen angesichts relativistischer Einsichten. In all diesen Aspekte sehe ich Gott eng mit dekonstruktivistischem Denken verbunden.

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Von: Daniel http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/comment-page-1/#comment-210 Daniel Sun, 07 Dec 2008 00:33:55 +0000 http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/#comment-210 vielleicht ist aber auch noch allerhand sonst im leben los, jenseits von blogs und kommentaren ;) vielleicht ist aber auch noch allerhand sonst im leben los, jenseits von blogs und kommentaren ;)

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Von: Jordanus http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/comment-page-1/#comment-209 Jordanus Thu, 04 Dec 2008 23:00:28 +0000 http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/#comment-209 gähn... also, wenn man die diskussionsfreude auf diesem blog sieht, hat man das gefühl, emergent ist schon tot, bevor es überhaupt begonnen hat. vielleicht ist das niveau zu hoch? also, an mir liegt es nicht! gähn…

also, wenn man die diskussionsfreude auf diesem blog sieht, hat man das gefühl, emergent ist schon tot, bevor es überhaupt begonnen hat.
vielleicht ist das niveau zu hoch?
also, an mir liegt es nicht!

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Von: Jordanus http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/comment-page-1/#comment-208 Jordanus Mon, 17 Nov 2008 12:03:56 +0000 http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/#comment-208 "Denn ihn versteh ich mit Dostojewski nicht als Verkünder einer ewigen Wahrheit; seine Botschaft ist , dass es genau die nicht gibt." Scipion, Ich demonstriere mal meine schlichte Form der Bibellektüre: Wenn Jesus sagt, "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich" so ist damit ja schon ein statisches Verständnis von Wahrheit, das Wahrheit als dem Menschen allzeit verfügbar sieht, unterlaufen. Aber dass es Wahrheit nicht gibt, sagt er nicht. “Denn ihn versteh ich mit Dostojewski nicht als Verkünder einer ewigen Wahrheit; seine Botschaft ist , dass es genau die nicht gibt.”

Scipion, Ich demonstriere mal meine schlichte Form der Bibellektüre:
Wenn Jesus sagt,

“Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben, niemand kommt zum Vater denn durch mich”

so ist damit ja schon ein statisches Verständnis von Wahrheit, das Wahrheit als dem Menschen allzeit verfügbar sieht, unterlaufen.

Aber dass es Wahrheit nicht gibt, sagt er nicht.

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Von: scipion http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/comment-page-1/#comment-206 scipion Thu, 06 Nov 2008 22:10:31 +0000 http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/#comment-206 Hallo Daniel, ich musste einen Augenblick darüber nachdenken, wie sich Theologie und Dekonstruktion verbinden ließen - habe mich dabei der Differenzierung zwischen "Negativer" und "Positiver" Theologie erinnert - und glaube, das könnte dabei helfen. Der Unvereinbarkeit von Dekonstuktion und Begrifflichkeit mit absolutem Geltungsanspruch sind wir uns ja einig. Insofen bietet die Positive Theologie (Paradies, Fegefeuer, Ewigkeit,) dankbare Angriffspunkte für dekonstruierendes Denken. Doch es gilt ja eben nicht eine eigentliche Wahrheit aufzudecken, kalter Rationalismus, die Wahrhaftigkeit der Aufklärer, etikettiert mit dem Label "Vernunft" und damit nur ein neuer Götze ist ja nicht Sinn und Zweck der Übung. Allenfalls Sagbarkeitsgrenzen, Möglichkeiten von Wissen - und im Falle der Kirche einigermaßen entsprechend Strukturen der Macht - sollen gezeigt werden. Und im Günstigsten Falle eben Alternativen, die qua sprachlicher Bedingtheit natürlich auch nur metaphorischen Quasi-Charakters sein können. Damit kommt die Negative Theologie ins Spiel. Wenn also Transzendenz nicht mehr mit der Möglichkeit von Absolutheit verbunden werden kann, gerät natürlich ein entsprechender Gottesbegriff ins Wanken. Das heißt aber nicht, dass er endgültig evakuiert werden kann. (nur nebenher: das ist die übliche atheistische Einfältigkeit - eine eher simple semantische Relation: Komplementarität - wie will man Nicht-Gott definieren ohne Gott?) Wenn man aber transzendentales Vermögen als Ausweis menschlichen Bewusstseins betrachtet - Sloterdijk hat das mal Immunsystem dritter Ordnung genannt - dieses aber als stets zu hinterfragenden, dekonstruierenden Prozess begreift und nicht als Frage-Antwort-Spiel - kommen wir bei Jesus an: Denn ihn versteh ich mit Dostojewski nicht als Verkünder einer ewigen Wahrheit; seine Botschaft ist , dass es genau die nicht gibt. Was es aber gibt, und zwar für jeden einzelnen, ist die Möglichkeit zu wählen, den individuellen Weg. Gut und Schlecht sind lediglich Perspektiven, im Ergebnis abhängig vom jeweiligen Beobachter. Und eine richtige Wahl kann es schon deshalb nicht geben, weil sie sich immer im Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft befindet - so ist das mit den Menschen nunmal. Abschließend, warum soll man sich trotz dieser relativistischen Einsichten zumindest darum bemühen keinem anderen zu schaden? Meine Antwort dazu bedarf eines anthropologischen Arguments: Weil unabhängig von der jeweiligen Lebenssituation die meisten Mütter dieser Erde ihre Kinder entsprechend behandeln und das obwohl sie ja eigentlich die Wahl haben. Jesus als Erfinder der Dekonstruktion? - ich freu mich auf Deine Antwort. Hallo Daniel,

ich musste einen Augenblick darüber nachdenken, wie sich Theologie und Dekonstruktion verbinden ließen – habe mich dabei der Differenzierung zwischen “Negativer” und “Positiver” Theologie erinnert – und glaube, das könnte dabei helfen. Der Unvereinbarkeit von Dekonstuktion und Begrifflichkeit mit absolutem Geltungsanspruch sind wir uns ja einig. Insofen bietet die Positive Theologie (Paradies, Fegefeuer, Ewigkeit,) dankbare Angriffspunkte für dekonstruierendes Denken.

Doch es gilt ja eben nicht eine eigentliche Wahrheit aufzudecken, kalter Rationalismus, die Wahrhaftigkeit der Aufklärer, etikettiert mit dem Label “Vernunft” und damit nur ein neuer Götze ist ja nicht Sinn und Zweck der Übung.

Allenfalls Sagbarkeitsgrenzen, Möglichkeiten von Wissen – und im Falle der Kirche einigermaßen entsprechend Strukturen der Macht – sollen gezeigt werden. Und im Günstigsten Falle eben Alternativen, die qua sprachlicher Bedingtheit natürlich auch nur metaphorischen Quasi-Charakters sein können.

Damit kommt die Negative Theologie ins Spiel. Wenn also Transzendenz nicht mehr mit der Möglichkeit von Absolutheit verbunden werden kann, gerät natürlich ein entsprechender Gottesbegriff ins Wanken. Das heißt aber nicht, dass er endgültig evakuiert werden kann. (nur nebenher: das ist die übliche atheistische Einfältigkeit – eine eher simple semantische Relation: Komplementarität – wie will man Nicht-Gott definieren ohne Gott?)

Wenn man aber transzendentales Vermögen als Ausweis menschlichen Bewusstseins betrachtet – Sloterdijk hat das mal Immunsystem dritter Ordnung genannt – dieses aber als stets zu hinterfragenden, dekonstruierenden Prozess begreift und nicht als Frage-Antwort-Spiel – kommen wir bei Jesus an: Denn ihn versteh ich mit Dostojewski nicht als Verkünder einer ewigen Wahrheit; seine Botschaft ist , dass es genau die nicht gibt. Was es aber gibt, und zwar für jeden einzelnen, ist die Möglichkeit zu wählen, den individuellen Weg. Gut und Schlecht sind lediglich Perspektiven, im Ergebnis abhängig vom jeweiligen Beobachter. Und eine richtige Wahl kann es schon deshalb nicht geben, weil sie sich immer im Spannungsverhältnis zwischen Individuum und Gemeinschaft befindet – so ist das mit den Menschen nunmal.

Abschließend, warum soll man sich trotz dieser relativistischen Einsichten zumindest darum bemühen keinem anderen zu schaden?

Meine Antwort dazu bedarf eines anthropologischen Arguments:
Weil unabhängig von der jeweiligen Lebenssituation die meisten Mütter dieser Erde ihre Kinder entsprechend behandeln und das obwohl sie ja eigentlich die Wahl haben.

Jesus als Erfinder der Dekonstruktion? – ich freu mich auf Deine Antwort.

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Von: Daniel http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/comment-page-1/#comment-205 Daniel Tue, 21 Oct 2008 10:32:20 +0000 http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/#comment-205 Hallo Scipion, vielen Dank für deinen Kommentar. Den Einwand, dass Dekonstruktion nichts mit Begriffen zu tun haben kann die einen Absolutheitsanspruch stellen kenne ich sehr gut. Meiner Ansicht nach ist es dennoch wichtig in diesem Kontext zu dekonstruieren – und zwar mit der Motivation die du in folgender Aussage angesprochen hast: <blockquote>Gerade ihr Anliegen ist es, solch vermeintlich historisch invarianten Instanzen den Absolutheitsanspruch zu entziehen und zwar dergestalt, dass ihre historische Varianz, was ihr Referenzpotential angeht, aufgezeigt wird und damit verbunden auch der Missbrauch, der mit ihnen getrieben wird - infolge der Tatsache, dass sie eben als Ausschlussmechanismen funktionieren, die eben Grenzen des Sagbaren etablieren. Und diese Grenzen gilt es zu zeigen - mithin, wenn man das tut betreibt man Dekonstruktion.</blockquote> Bei der Dekonstruktion werden die Grenzen der Sprache und des Sagbaren deutlich. Absolutheitsansprüche werden obsolet und die Subjektivität des Wahrgenommenen wird deutlich. Ich denke, dass gerade in der Theologie eine solche Auseinandersetzung sehr hilfreich sein kann. Durchaus bewusst bin ich mir im praktizieren einer solch theologischen Dekonstruktion, dass sowohl die „Überzeugten Dekonstruktivisten“ als auch eine Reihe von Theologen und Christen dieser Praxis kritisch gegenüber stehen. Dennoch erachte ich es, unter anderem mit John D. Caputo oder auch Peter Rollins, als äußerst sinnvoll sich dieser Spannung auszusetzen. Viele Grüße Daniel Hallo Scipion,

vielen Dank für deinen Kommentar. Den Einwand, dass Dekonstruktion nichts mit Begriffen zu tun haben kann die einen Absolutheitsanspruch stellen kenne ich sehr gut. Meiner Ansicht nach ist es dennoch wichtig in diesem Kontext zu dekonstruieren – und zwar mit der Motivation die du in folgender Aussage angesprochen hast:

Gerade ihr Anliegen ist es, solch vermeintlich historisch invarianten Instanzen den Absolutheitsanspruch zu entziehen und zwar dergestalt, dass ihre historische Varianz, was ihr Referenzpotential angeht, aufgezeigt wird und damit verbunden auch der Missbrauch, der mit ihnen getrieben wird – infolge der Tatsache, dass sie eben als Ausschlussmechanismen funktionieren, die eben Grenzen des Sagbaren etablieren. Und diese Grenzen gilt es zu zeigen – mithin, wenn man das tut betreibt man Dekonstruktion.

Bei der Dekonstruktion werden die Grenzen der Sprache und des Sagbaren deutlich. Absolutheitsansprüche werden obsolet und die Subjektivität des Wahrgenommenen wird deutlich. Ich denke, dass gerade in der Theologie eine solche Auseinandersetzung sehr hilfreich sein kann.

Durchaus bewusst bin ich mir im praktizieren einer solch theologischen Dekonstruktion, dass sowohl die „Überzeugten Dekonstruktivisten“ als auch eine Reihe von Theologen und Christen dieser Praxis kritisch gegenüber stehen. Dennoch erachte ich es, unter anderem mit John D. Caputo oder auch Peter Rollins, als äußerst sinnvoll sich dieser Spannung auszusetzen.

Viele Grüße
Daniel

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Von: scipion http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/comment-page-1/#comment-204 scipion Mon, 13 Oct 2008 21:52:54 +0000 http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/#comment-204 Mich verblüfft doch erheblich, dass hier eigentlich über die strukturalistische Überspanntheit namens Dekonstruktion diskutiert werden möchte, gleichwohl aber Begriffe fallen, die schlicht fehl am Platz sind - Sinn, Geist, Wahrheit, - was soll das alles sein.? Darüber hat zwar sicher jeder mit gewissen transzendentalen Allüren einmal nachgedacht - worauf aber diese Begriffe referieren - das kann kaum allgemeingültig geklärt werden und schon gar nicht mithilfe der Dekonstruktion. Gerade ihr Anliegen ist es, solch vermeintlich historisch invarianten Instanzen den Absolutheitsanspruch zu entziehen und zwar dergestalt, dass ihre historische Varianz, was ihr Referenzpotential angeht, aufgezeigt wird und damit verbunden auch der Missbrauch, der mit ihnen getrieben wird - infolge der Tatsache, dass sie eben als Ausschlussmechanismen funktionieren, die eben Grenzen des Sagbaren etablieren. Und diese Grenzen gilt es zu zeigen - mithin, wenn man das tut betreibt man Dekonstruktion. Jedoch nicht Destruktion. Das Dilemma nämlich ist, dass jeglicher noch so radikale Dekonstruktionsversuch in denselben Grenzen verhaftet bleibt, die auch seine Gegenstände bestimmen, nämlich in jenen der Sprache. Jede Bezeichnung ist sogleich eine Abstraktion dessen, was da benannt werden soll und daher ist auch jegliche Dekonstruktion stets eine Abstraktion, möglicherweise zeigt sie Alternativen auf. Dazu ein Beispiel: Ich habe das nicht länger verfolgt, aber eine Zeit lang war ja das Thema "Offenlegung des menschliches Genom" in der Öffentlichkeit sehr en vogue. Im Grunde aber ist das ein Spezialdiskurs der Genetik, wovon eben auch nur ausgewiesene Spezialisten wirklich etwas verstehen. Für eine breitere Öffentlichkeit, und für die ist es ja von Belang, da ja vermeintlich Hoffnung besteht, dass bestimmte Erbkrankheiten geheilt werden könnten, bedarf es zur Vermittlung des Themas einer Simplifizierung der an sich sehr komplizierten Materie. Das geschieht über das Mittel der Metapher - und im angeführten Beispiel wird das menschliche Genom behandelt wie ein Text. Das Genom bestünde demnach also aus einer Reihe von Zeichen (namentlich Sequenzen der vier Basen A, C, G, T). Das dem so ist, ist daran zu sehen, wie denn die Praxis der Offenlegung attributiert wird - da wird entschlüsselt, decodiert, dechiffriert, geknackt usw. - Tätigkeiten, die man eigentlich an verschlüsselten Texten betreibt. Dummerweise aber suggeriert diese Textmetaphorik, dass sich einzelne Sequenzen, die Gene eben, gleichsam eines Prädikats oder Objekts innerhalb eines Textes oder Satzes isoliert betrachten lassen bzw. auch modifizieren lassen würden. (Das ist dann der Unfug mit dem Gen für Schönheit oder Klugheit, das dann immer mal wieder gefunden wird - und allen Ernstes kann man sich auf den Homepages von amerikanischen Samenbanken ja ausführliche Profile der Spender ansehen, um auch ja keinen Idioten zu bekommen - das ist der Weg zum Designerbaby) Was allerdings nicht so bekannt ist, dass in Laborversuchen mit Tieren, bei denen einzelne Gene verändert worden sind, diese dann zwar einen entsprechend veränderten Phänotyp aufweisen, sie aber häufig auch Krebs oder sonstwas bekommen. Damit ist die Grenze des Sagbaren erreicht, etabliert durch die Textmetaphorik. Denn innerhalb eines Satzes kann ich zwar ein Element austauchen - ein Objekt durch ein anderes - und es bleibt weiterhin ein Satz, hingegen scheint dies beim Genom nicht der Fall zu sein, da seine Funkionsweise offenbar nicht aus den jeweiligen Einzelfunktionen der Gene resultiert, sondern vielmehr orchestral organisiert zu sein scheint. Dies aber lässt sich schlechterdings mit der Textmetapher nicht abbilden. Nach dieser durchaus sehr reduzierten Dekonstruktion des Textbegriffes in Bezug auf das menschliche Genom, bleibt nun die Möglichkeit eine andere zu finden - diese aber wird auch kaum der Komplexität des Themas gerecht werden, da Begriffsbildung per definitionem schon immer eine Abstraktion ist. Und daher sind Begriffe mit Absolutheitsanspruch (Sinn, Gott usf.) beim Thema Dekonstruktion völlig fehl am Platz, denn es handelt sich hierbei einfach um eine relativistische Debatte. Das mag man im Kern unmoralisch finden, aber Wahrheiten gibts bei der Dekonstruktion nicht zu finden, allenfalls variante Gültigkeiten werden gezeigt, in aller Regel problematisiert und es kann einem in der Tat die Füße weghauen, wenn man sich seiner eigenen Subjektivität nur noch als begriffliche Projektion sicher sein kann. Mich verblüfft doch erheblich, dass hier eigentlich über die strukturalistische Überspanntheit namens Dekonstruktion diskutiert werden möchte, gleichwohl aber Begriffe fallen, die schlicht fehl am Platz sind – Sinn, Geist, Wahrheit, – was soll das alles sein.?

Darüber hat zwar sicher jeder mit gewissen transzendentalen Allüren einmal nachgedacht – worauf aber diese Begriffe referieren – das kann kaum allgemeingültig geklärt werden und schon gar nicht mithilfe der Dekonstruktion.
Gerade ihr Anliegen ist es, solch vermeintlich historisch invarianten Instanzen den Absolutheitsanspruch zu entziehen und zwar dergestalt, dass ihre historische Varianz, was ihr Referenzpotential angeht, aufgezeigt wird und damit verbunden auch der Missbrauch, der mit ihnen getrieben wird – infolge der Tatsache, dass sie eben als Ausschlussmechanismen funktionieren, die eben Grenzen des Sagbaren etablieren.
Und diese Grenzen gilt es zu zeigen – mithin, wenn man das tut betreibt man Dekonstruktion. Jedoch nicht Destruktion.

Das Dilemma nämlich ist, dass jeglicher noch so radikale Dekonstruktionsversuch in denselben Grenzen verhaftet bleibt, die auch seine Gegenstände bestimmen, nämlich in jenen der Sprache.

Jede Bezeichnung ist sogleich eine Abstraktion dessen, was da benannt werden soll und daher ist auch jegliche Dekonstruktion stets eine Abstraktion, möglicherweise zeigt sie Alternativen auf.

Dazu ein Beispiel:
Ich habe das nicht länger verfolgt, aber eine Zeit lang war ja das Thema “Offenlegung des menschliches Genom” in der Öffentlichkeit sehr en vogue.

Im Grunde aber ist das ein Spezialdiskurs der Genetik, wovon eben auch nur ausgewiesene Spezialisten wirklich etwas verstehen. Für eine breitere Öffentlichkeit, und für die ist es ja von Belang, da ja vermeintlich Hoffnung besteht, dass bestimmte Erbkrankheiten geheilt werden könnten, bedarf es zur Vermittlung des Themas einer Simplifizierung der an sich sehr komplizierten Materie. Das geschieht über das Mittel der Metapher – und im angeführten Beispiel wird das menschliche Genom behandelt wie ein Text. Das Genom bestünde demnach also aus einer Reihe von Zeichen (namentlich Sequenzen der vier Basen A, C, G, T).
Das dem so ist, ist daran zu sehen, wie denn die Praxis der Offenlegung attributiert wird – da wird entschlüsselt, decodiert, dechiffriert, geknackt usw. – Tätigkeiten, die man eigentlich an verschlüsselten Texten betreibt.

Dummerweise aber suggeriert diese Textmetaphorik, dass sich einzelne Sequenzen, die Gene eben, gleichsam eines Prädikats oder Objekts innerhalb eines Textes oder Satzes isoliert betrachten lassen bzw. auch modifizieren lassen würden. (Das ist dann der Unfug mit dem Gen für Schönheit oder Klugheit, das dann immer mal wieder gefunden wird – und allen Ernstes kann man sich auf den Homepages von amerikanischen Samenbanken ja ausführliche Profile der Spender ansehen, um auch ja keinen Idioten zu bekommen – das ist der Weg zum Designerbaby)

Was allerdings nicht so bekannt ist, dass in Laborversuchen mit Tieren, bei denen einzelne Gene verändert worden sind, diese dann zwar einen entsprechend veränderten Phänotyp aufweisen, sie aber häufig auch Krebs oder sonstwas bekommen.
Damit ist die Grenze des Sagbaren erreicht, etabliert durch die Textmetaphorik. Denn innerhalb eines Satzes kann ich zwar ein Element austauchen – ein Objekt durch ein anderes – und es bleibt weiterhin ein Satz, hingegen scheint dies beim Genom nicht der Fall zu sein, da seine Funkionsweise offenbar nicht aus den jeweiligen Einzelfunktionen der Gene resultiert, sondern vielmehr orchestral organisiert zu sein scheint. Dies aber lässt sich schlechterdings mit der Textmetapher nicht abbilden.

Nach dieser durchaus sehr reduzierten Dekonstruktion des Textbegriffes in Bezug auf das menschliche Genom, bleibt nun die Möglichkeit eine andere zu finden – diese aber wird auch kaum der Komplexität des Themas gerecht werden, da Begriffsbildung per definitionem schon immer eine Abstraktion ist.

Und daher sind Begriffe mit Absolutheitsanspruch (Sinn, Gott usf.) beim Thema Dekonstruktion völlig fehl am Platz, denn es handelt sich hierbei einfach um eine relativistische Debatte.
Das mag man im Kern unmoralisch finden, aber Wahrheiten gibts bei der Dekonstruktion nicht zu finden, allenfalls variante Gültigkeiten werden gezeigt, in aller Regel problematisiert und es kann einem in der Tat die Füße weghauen, wenn man sich seiner eigenen Subjektivität nur noch als begriffliche Projektion sicher sein kann.

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Von: toby http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/comment-page-1/#comment-201 toby Sun, 21 Sep 2008 05:38:39 +0000 http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/#comment-201 Großartig! Das ist die beste Antwort, die ich seit langem gelesen habe! Danke & leider wahr! :) Großartig! Das ist die beste Antwort, die ich seit langem gelesen habe! Danke & leider wahr! :)

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Von: jordanus http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/comment-page-1/#comment-200 jordanus Fri, 19 Sep 2008 20:19:23 +0000 http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/#comment-200 Er will sagen: Ich muß hier mit mir selbst diskutieren, weil die Schlaftabletten, die dieses aufregende und relevante Blog betreiben, sich höchstens monatlich beteiligen. Dagegen war die zeitschriftenkultur der spätaufklärung von rasender schnelligkeit. Aber jaja, ich weiß, heutzutage kommt man zu nix. Und außerdem, wen interessiert Derrida, wenn sich gerade unser Finanzsystem dekonstruiert? Er will sagen: Ich muß hier mit mir selbst diskutieren, weil die Schlaftabletten, die dieses aufregende und relevante Blog betreiben, sich höchstens monatlich beteiligen.
Dagegen war die zeitschriftenkultur der spätaufklärung von rasender schnelligkeit.
Aber jaja, ich weiß, heutzutage kommt man zu nix. Und außerdem, wen interessiert Derrida, wenn sich gerade unser Finanzsystem dekonstruiert?

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