ZeitGeist http://zeit-geist.info Kultur und Evangelium in der Postmoderne Tue, 07 Jan 2014 16:43:45 +0000 de hourly 1 http://wordpress.org/?v=3.3.1 “Christsein in der Konsumgesellschaft” http://zeit-geist.info/2010/03/27/christsein-in-der-konsumgesellschaft/ http://zeit-geist.info/2010/03/27/christsein-in-der-konsumgesellschaft/#comments Sat, 27 Mar 2010 12:20:48 +0000 Tobias http://zeit-geist.info/?p=46 Der Mitherausgeber der ZeitGeist Bücher, Thomas Weißenborn, hat zu Beginn des Jahres ein interessantes, neues  Buch  geschrieben: „Christsein in der Konsumgesellschaft.“ Eine klasse theologische Auseinandersetzung mit dem Thema. Er zeigt darin auf, wie wir Spiritualität zu einem Konsumgut gemacht haben und nun in kleinen, genussfertigen Happen konsumieren. Dabei liegt genau in der göttlichen Spiritualität die Kraft die uns hilft mitten in der Konsumgesellschaft ein prophetisches Leben zu führen. Wie heißt es im Untertitel: „Nachdenken über eine alltägliche Herausforderung“. Diese Herausforderung ist “sperrig” und soll auch diskutiert werden. Uwe Metz macht den Anfang und schreibt folgendes:

Der amerikanische Autor Harry Blamires schrieb in den 80ern über den geistigen Zustand der Christen, dass sie “kaum weniger als der Ausdruck sentimentalen Zusammenseins” seien, weil sie “ihre große intellektuelle Bedeutung” verloren haben. Ich habe einige Jahre als Pfarrer gearbeitet und kann die Erfahrung hinter dieser leider nur bestätigen. Erstaunt war ich lediglich, dass sie bereits vor dreißig Jahren ausgesprochen wurde. Ich nahm an, dass die innerer und äußerer  Bewegungslosigkeit vieler Christen daher rührt, dass Gemeinden und Gemeinschaften ihnen die Möglichkeit geben, sich aus den “weltlichen” Verhältnissen in “geistliche” zurückzuziehen und sich den Gegebenheit dort wilig unterordnen. Schon Machiavelli machte sich über dieses Verhalten lustig. “Christen in der Konsumgesellschaft” geht den umgekehrten Weg und sagt, dass wir Christen uns den Gepflogenheiten, der “Spiritualität” des Konsums unterordnen. Diese Beobachtung finde ich faszinierend.

Widersprechen möchte ich allerdings, dass “ein konsumkonformes Christentum zwangsläufig ebenso undogmatisch wie die Konsumgesellschaft selbst” sei. Eine solche dogmafreie Zone gibt es nicht, was gerade der politische Umgang mit der Wirtschaftskrise vor Augen führt. Mir scheint, dass Thomas Weißenborn dieses Argument braucht, um die Bedeutung der Theologie und der Dogmatik wieder stark zu machen. Da es aber grundsätzlich am Bedürfnis mangelt, über den eigenen, persönlichen, den “echten” Glauben nachzudenken und man stattdessen lieber auf vorbereitete Glaubenslunchpakete zurückzugreift, fürchte ich, ist auch im theologischen Heil keine Zuflucht zu nehmen. Deshalb sehe ich auch nicht im richtigen Umgang mit den Resourcen der Schöpfung den ersten Schritt. Vielmehr sollten die ureigenen Resourcen in Betracht gezogen werden, die jeder vom Schöpfer erhalten hat: Die graue Masse zwischen den Ohren. Die Christen sollten sich – ganz im Sinne von Blamires – ihrer geistigen Kraft bewußt werden. Dann wird auch die Systematik und Theologie sinnvoll.

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Im Gottesdienst Heimat finden http://zeit-geist.info/2009/10/06/im-gottesdienst-heimat-finden/ http://zeit-geist.info/2009/10/06/im-gottesdienst-heimat-finden/#comments Tue, 06 Oct 2009 08:06:53 +0000 Tobias http://zeit-geist.info/?p=36 Gedanken von Tobias Faix am Beispiel von CT-Mosaik.

Persönliche Erfahrungen & Hintergründe
Acht Jahre war ich als Hauptamtlicher für unsere Gemeindegottesdienste verantwortlich und auch danach als Ehrenamtlicher saß und sitze ich fast jeden Sonntag im Gottesdienst oder habe aktiv mitgearbeitet. Für vieles bin ich sehr dankbar und denke, dass Gott die unterschiedlichen Gottesdienste zum Wachstum seines Reiches gebraucht. Aber ich merkte immer wieder, wie die Frage nach einem „mündigen Christsein“ in mir auf kam, wie Christinnen und Christen nicht nur in einen Gottesdienst gehen, sondern selbst Teil dieses Gottesdienstes werden können. Dabei ertappte ich mich oftmals selbst, wie ein individualistisches und konsumfreundliches Verhalten mehr Raum bekam, als ich es selbst zugeben wollte: Die Predigt war gut, wenn sie in mein theologisches Konzept passte. Oder: Die Anbetung war geistlich, wenn sie mich berührte. Die Fragen: Ob die Predigt der Gemeinde dient? oder: Ob der Lobpreis Gott geehrt hat? wurden oftmals in den Hintergrund gestellt. Von dieser Unzufriedenheit angetrieben versuchte ich mir Gedanken um Gottesdienste zu machen. Wie sahen die Gottesdienste der ersten Christen aus? Was sind gute Traditionen? Wo sind Erneuerungen nötig? Was brauchen die Menschen heute? Ein Vers, der mich dabei am meisten herausforderte, steht im 1. Korinther 14,26 (GN):

„Was folgt daraus für euch, Brüder und Schwestern? Wenn ihr zum Gottesdienst zusammenkommt, kann jeder und jede etwas dazu beitragen: ein Lied vorsingen oder eine Lehre vortragen oder eine Offenbarung weitergeben oder in unbekannten Sprachen reden oder die Deutung dazu geben. Aber alles muss dem Aufbau der Gemeinde dienen.“

Dieser Vers deckte sich so gar nicht mit den Erfahrungen der meisten Gottesdienste in Kirchen und Freikirchen meiner Umgebung. Also begann ein Prozess, in dem ich mir einige biblisch-theologische Gedanken aufschrieb, mit Freunden diskutierte und mit der Gemeindeleitung sprach. In diesen Gesprächen war ich überrascht, wie viele sagten, dass sie zwar in den Gottesdienst gehen, aber dieser für sie keine geistliche Heimat darstellen würde. Eher noch die Menschen, die sich dort treffen. Ein Jahr später entstand daraus der ct-mosaik Gottesdienst.

CT-Mosaik Gottesdienst: Menschen begegnen – Gott erleben
Der ct-mosaik Gottesdienst möchte Menschen in die Begegnung miteinander und mit Gott führen. Dabei sollen traditionelle Gottesdienstformen auf neuere Methoden treffen und somit den Reichtum und die Vielfalt des christlichen Glaubens zum Ausdruck bringen. So soll die heilende Gemeinschaft und der Wert des Einzelnen gleichermaßen beachtet und geachtet werden und dadurch Anbetung Gottes auf unterschiedliche und kreative Weise geschehen.

Ablaufrahmen:

  • 16:00 h – Begrüßung, kurzer liturgischer Einstieg mit Gebet & Lied
  • 16:05 h – Offene Zeit der Begegnung bei Kaffee & Kuchen/Kekse
  • 16:30 h – Einführung ins Thema des Gottesdienstes und Vorstellung der Räume
  • 16:40 h – offene Räume (jeder wählt selbst) evtl. mehrere Räume zum Wechseln
  • 17:20 h – kurze Schlaglichter aus den Räumen und gemeinsamer liturgischer Schluss
  • 17:30 h – danach Schluss & Abbau

Der Gottesdienst findet jeden 1. Sonntag im Monat von 16:00 bis 17:30h im ChristHaus in Marburg statt.

Partizipation durch „Räume“
Es müssen nicht jedes Mal die gleichen Angebote gemacht werden, sondern es können unterschiedliche sein. Die meisten Räume sind offen, so dass man sich nicht für einen Raum “verpflichtet”, sondern auch verschiedene Räume nutzen kann.

Raum 1: Communio
Dieser Raum ist ständig offen und verfügbar. Gemeinschaft, Essen und Begegnung sind keine Notlösung, sondern ein geistlicher Teil des Ganzen. Hier startet und endet der Gottesdienst auch.

Raum 2: Bibelgespräch
Hier soll ein interaktives Bibelgespräch stattfinden, das den Teilnehmern ermöglicht, sich zu beteiligen. Manchmal kann es auch Predigtteile geben oder andere Methoden.

Raum 3: Kreativität & Kunst
Kunst und Kreativität ist ein Ausdruck von Gottes Schöpfung und soll in diesem Raum besonders gefördert werden. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt: von Tanz über Bildmeditation zu selber malen oder Bibeltext „nachempfinden“.

Raum 4: Ruhe & Gebet
In diesem Raum ist Ruhe und Zeit für Gebet. Gemeinsam beten oder einfach inne halten und Ruhe genießen.

Raum 5: “Chaoskirche” – Mit Kids Gott erleben
Interaktiv und erlebnisorientiert für alle Kinder und Erwachsene (Eltern und Nichteltern), die Basiselemente des Glaubens auf einfache und erfrischende Art erleben und begreifen.

Raum 6: “Anbetung unplugged”
Authentisch Gott anbeten in Liedern, Eindrücken und Gebeten.

Raum 7: Offen für Neues
Abendmahl, Videoanbetung, Gebetsspaziergang etc.

Werte, die wir Stück für Stück lernen und leben wollen:

  • Partizipation: Jeder ist Teil des Ganzen
  • Missional: Gottesdienst als Teil des Alltags
  • Niederschwelligkeit: Jeder ist willkommen und bringt sich mit ein, so wie er/sie kann und will.
  • Gemeinschaft: Steht im Zentrum als Heilskraft Gottes: Herstellung des Schaloms: Zu Gott, zu mir selbst, zu meinem Nächsten und zur Umwelt. Ziele der Gemeinschaft: (als heilende Kraft)
  • Ganzheitlich: Die “Heiligkeit!” (der einzelnen Räume, Aktionen, Gemeinschaft) entsteht nicht durch Tradition, sondern durch die Motivation der Einzelnen zu Gott hin. Konsequenz: Essen ist genauso heilig wie Anbetung.
  • Inkarnatorisch: Jesus wurde Mensch, Teil unserer Kultur und unseres Lebens. Leben teilen heißt inkarnatorisch leben.
  • Mitarbeiterförderung durch Verantwortung: Wir wollen nicht defizitorientiert arbeiten, sondern in die Gaben vertrauen, die jeder mitbringt und das Gute und das Potenzial in jedem sehen (Imago Dei). Jeder darf kommen und sich beteiligen.

Erfahrungen, Problemfelder und neue Ziele
Die ersten drei/vier Monate liefen sehr gut, es kamen viele Leute. Manche waren einfach neugierig, andere fühlten sich vom Konzept angesprochen. Interessant war, dass viele kamen, die den Christustreff nicht als ihre Heimat sehen. Die eher „traditionellen“ Gottesdienstbesucher waren dagegen schwer zu erreichen. Wir feierten jeden Sonntag Mosaik Gottesdienst und es kamen sehr viele unterschiedliche Menschen aus verschiedenen Altersstufen und Milieus, Christen und Suchende, Neugierige und Frustrierte, Familien und Singles. Diese Heterogenität war interessant und spannend, hat aber auch Probleme mit sich gebracht. Der Grundsatz war: alle sind willkommen und alle dürfen mitarbeiten. Gerade Letzteres hat sich aber zunehmend als Belastung herausgestellt. Viele sind gekommen, aber es hat sich schnell ein Kern herausgebildet, der Verantwortung für die einzelnen Räume übernommen hat. Dieser Kern war aber zu klein, als dass er einen regelmäßigen wöchentlichen Gottesdienst gestalten könnte, außerdem stellt er den Grundgedanken der Partizipation auf den Kopf. Aber: Partizipation kann nicht eingefordert werden, sondern muss gelebt werden. Wir haben gemerkt, dass es einen großen Unterschied zwischen der Zustimmung von Werten und diese Werte leben gibt. Nach einem halben Jahr haben wir von einmal wöchentlich auf einmal im Monat umgestellt, wobei wir die Hoffnung haben, dass sich in den nächsten Monaten, vielleicht auch Jahren, der Prozess zu einem wöchentlichen Gottesdienst entwickelt. Wie sagte eine Frau zu mir: „Lieber Tobias, 10 Jahre bin ich in den Gottesdienst gegangen und habe mich bedienen lassen, jetzt soll ich plötzlich aktiv mitmachen. Du musst mir Zeit geben, das bin ich nicht gewöhnt.“ Mitten in diesem Prozess stehen wir jetzt und sind gespannt, wohin uns die Reise führen wird. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass die größte Anziehungskraft für Menschen in unserer Zeit die heilende Gemeinschaft von Christinnen und Christen ist.

Weitere Infos auf der Mosaikseite des Christus-Treffs.

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“ZeitGeist 2 Postmoderne Heimatkunde” http://zeit-geist.info/2009/09/21/zeitgeist-2-postmoderne-heimatkunde/ http://zeit-geist.info/2009/09/21/zeitgeist-2-postmoderne-heimatkunde/#comments Mon, 21 Sep 2009 20:19:37 +0000 Tobias http://zeit-geist.info/?p=34 Heute ist ZeitGeist 2 herausgekommen, worüber wir uns sehr freuen. Auch diesmal geht es um die Auseinandersetzung zwischen gesellschaftlichen Veränderungen und dem Evangelium. Der “rote Faden”, der uns durch den Marktplatz, die Kirchgasse, den Boulevard und die Spielstraße führt heißt “Heimat”. Wo und wie können wir in all den Veränderungen unseres Lebens unsere geistliche Heimat finden? Persönlich, in Kirchen und Gemeinden und in der Gesellschaft. Anhand der Sinusmilieus gibt es wieder jede Menge interessanter und innovativer Praxisbeispiele.

Auf der Homepage gibt es wieder Leseproben und eine Einführung in Buch.

Danke an alle Autorinnen und Autoren die zum gelingen des Werkes beigetragen hat.

Die Diskussion kann beginnen…

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http://zeit-geist.info/2009/09/21/zeitgeist-2-postmoderne-heimatkunde/feed/ 3
“2. Auflage von ZeitGeist” http://zeit-geist.info/2008/09/03/2-auflage-von-zeitgeist/ http://zeit-geist.info/2008/09/03/2-auflage-von-zeitgeist/#comments Wed, 03 Sep 2008 17:28:38 +0000 Tobias http://zeit-geist.info/?p=21 Heute ist die 2. Auflage von ZeitGeist erschienen, was natürlich ein Grund zur Freude ist. Inhaltlich hat sich außer ein paar orthographischen Verbesserungen nicht viel verändert. Was sich verändert hat ist, dass ZeitGeist eine neue Reihe anfängt: “Edition Emergent Deutschland”. Das bedeutet natürlich, dass es noch mehrere Bücher in dieser Reihe geben wird, zwei davon werden 2009 erscheinen, zum einen ZeitGeist 2 und zum anderen ein Buch über Spiritualität & Gemeinschaft(en). Es bleibt spannend.

Auch möchte ich noch mal betonen, dass der ZeitGeist Blog offen ist für Artikel, Impulse und Herausforderungen zum Thema “Evangelium & Kultur”. Schicke einfach deinen Artikel per Mail ein, wir veröffentlichen ihn dann. Es wird Zeit, dass wieder ein bisschen Leben auf den Blog kommt, es war lange genug sehr ruhig…

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http://zeit-geist.info/2008/09/03/2-auflage-von-zeitgeist/feed/ 6
Missionale Gemeinde http://zeit-geist.info/2008/06/20/missionale-gemeinde/ http://zeit-geist.info/2008/06/20/missionale-gemeinde/#comments Fri, 20 Jun 2008 15:04:17 +0000 Daniel http://zeit-geist.info/?p=20 Mit diesem Blog wollten wir von Anfang an gemeinsam über die Verbindung von Kultur und Evangelium nachdenken. Wir wollten uns gemeinsam fragen, wie wir Christus in unserer Gesellschaft nachfolgen können, und wie ein Leben aussehen kann, dass sich auch unser Umfeld dadurch verändert. Dazu wollten wir auch gerne Artikel aus dem Buch gemeinsam betrachten und den einen oder anderen Gedanken über einen Artikel des Buches hinaus denken. Das geschieht hier auch alles, wenngleich nicht mit der höchsten Frequenz.

Gestern Abend bin ich über eine Reihe von Blogeinträgen gestolpert, die im Laufe der Nacht eine Idee haben reifen lassen. Björn Wagner hat sich den Artikel ›Die missionale Gemeinde‹ von Mike Bischoff und Tobias Faix vorgenommen, liest diesen und schreibt zu einzelnen Sätzen daraus seine Gedanken auf. Da gerade dieser Artikel auch hier zum Download zur Verfügung steht, dachte ich mir, dass wir es hier mit einer wunderbaren Gelegenheit zu tun haben, zum einen den Artikel neu zu lesen, als auch unser Gespräch über oben angesprochene Fragen und das Buch neu zu beleben.

Download:
Die missionale Gemeinde (PDF / 440 KB)

Blogeinträge von Björn:
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 1)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 2)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 3)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 4)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 5)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 6)
Missionale Gemeinde in ZeitGeist (Teil 7)

Nun bleibt mir lediglich gutes Lesen und guten Austausch in den Kommentaren zu wünschen.


Solltest Du auf Deinem Blog eine Reihe von Beiträgen zu Artikeln oder Gedanken aus dem Buch schreiben, kannst Du uns das sehr gerne wissen lassen, z.B. über das Kontaktformular.

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Dekonstruktion – eine Annäherung http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/ http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/#comments Sun, 09 Mar 2008 20:39:32 +0000 Daniel http://zeit-geist.info/2008/03/09/dekonstruktion-eine-annaeherung/ In diesem Beitrag möchte ich mich anhand einiger grundlegender Gedanken dem annähern was als ›Dekonstruktion‹ bezeichnet wird. Der Begriff wird im Rahmen des ›emergenten Dialogs‹ sehr oft verwendet, und sollte daher immer wieder etwas genauer betrachtet werden.

Ich habe die Hoffnung, dass wir das Wort anders verwenden, wenn wir uns in regelmäßigen Abständen einige Gedanken zu ›Dekonstruktion‹ machen. Bewusst verwende ich hier das Wort „wir“, da ich zum einen den Begriff recht häufig selbst verwende und zum anderen, weil ich hoffe dass wir hier zu einem interessanten Austausch über Dekonstruktion kommen, in dem ich eine Menge lernen kann.

Ich lade dich nun ein dem mehr»Link direkt unter diesem Abschnitt zu folgen und dort mit mir ein paar Aspekte von Dekonstruktion anzudenken und dann in den Austausch mit einzusteigen.


Den ersten Gedanken zu Dekonstruktion möchte ich ihrer Herkunft widmen. Sie geht auf Jacques Derrida zurück, ein Philosoph der in Frankreich lebte und zu den poststrukturalistischen Denkern gerechnet wird. Seine jüdische Abstammung und die damit verbundene Diskriminierung in seinem Herkunftsland Algerien sowie seine Erfahrungen als Migrant in Frankreich hatten Einfluss auf sein Denken und haben ihre Spuren auch in der Dekonstruktion hinterlassen.

Dekonstruktion ist keine Methode

Als Dekonstruktion eine breitere Anerkennung in der Philosophie und darüber hinaus erreichte war Derrida stets bemüht darauf hinzuweisen, dass es sich bei Dekonstruktion nicht um eine wissenschaftliche Methode handelt. Während eine wissenschaftliche Methode immer bestimmten Regeln folgt und in unterschiedlichen Zusammenhängen auf dieselbe Weise angewendet werden kann, findet Dekonstruktion in jeder Situation auf andere Weise statt und bringt daher keine, auf übliche Weise, vergleichbaren Ergebnisse hervor. Bevor wir in den folgenden Abschnitten Dekonstruktion näher betrachten wollen, sei an dieser Stelle erwähnt, dass Derrida sie als eine bestimmte Haltung verstanden hatte.

Aufspüren des Unausgesprochenen

Die dekonstruktivistische Haltung drückt sich darin aus, dass der jeweils vorliegende Text äußerst genau betrachtet wird. Dabei gilt jedoch das besondere Augenmerk nicht dem, was gesagt, sondern vielmehr dem was nicht gesagt wurde.

Grundlegend für diese Haltung ist die Annahme einer Vielzahl von Perspektiven und Aussagerichtungen innerhalb eines Textes. Der Text hat demnach nicht nur eine einzige mögliche Aussage und besteht nicht nur aus einer These die, wie in der Dialektik angenommen, von einer Antithese begleitet wird, sondern beinhaltet eine Vielzahl von Perspektiven. Diese Perspektiven stehen häufig in einem Konflikt zueinander. Durch Dekonstruktion können diese Konflikte aufgespürt und ausgedrückt werden.

Die möglichen Konflikte zwischen den unterschiedlichen Perspektiven zeichnen sich durch bewusste Ausschließungen ab, die auf Grund bestehender Hierarchien entstanden sein können. Dadurch dass bewusst auf das gehört wird was nicht gesagt wurde können die verborgenen Perspektiven erschlossen und auf diesem Wege auch die Hierarchien aufgedeckt werden, die zur vorliegenden Gestalt des Textes führten.

Möglichkeit des Unmöglichen

Neben der Enttarnung von Hierarchien eröffnet die Beachtung des nicht Ausgesprochenen einen weiten Raum der Möglichkeiten in dem das Unvorhergesehene ans Tageslicht tritt. Gedanken werden betrachtet die ohne diese Haltung verborgen und damit unbedacht geblieben wären. Es entstehen Möglichkeiten auf anderen Wegen zu denken und dabei auf Unvorhergesehenes zu stossen.

Indem Dekonstruktion die Möglichkeit des Unmöglichen eröffnet kann sie nach Derrida auch auf eine Öffnung dem Anderen gegenüber verstanden werden. Der Begriff ›Andere‹ kann sowohl auf die andere, fremde Person als auch auf andere und fremde Gedanken bezogen werden. In dieser Öffnung werden schließlich auch Engführungen überwunden die auf bestimmten Hierarchien beruhen.

Dekonstruktion und Religion

Manche sehen in der eben erwähnten Möglichkeit des Unmöglichen der Dekonstruktion einen Hinweis auf Gott. Derrida selbst hat darüber jedoch wenig gesagt. Dies liegt zum einen an seinen jüdischen Wurzeln und dem damit zusammenhängenden Schweigen über Gott, als auch an der Tatsache, dass er Dekonstruktion stets als Mythoskritik verstanden hatte.

John D. Caputo entwickelte aus der Dekonstruktion Derridas seine eigene Lesart, die er in enger Verwandtschaft mit so genannter negativer Theologie sieht, da beide sich nach dem Abwesenden, Unmöglichen und Unberechenbaren ausstrecken.

Caputo kann daher die Dekonstruktion als ›Hermeneutik des Reiches Gottes‹ verstehen. Sie bringt das Unmögliche, das Unvorhersehbare ans Tageslicht. Durch eine dekonstruktivistische Haltung entsteht uns Menschen die Möglichkeit über unser begrenztes Denken hinaus zu denken. Indem wir genau an den Stellen weiterdenken über die nichts gesagt wurde, gewinnen scheinbar alt-hergebrachte Texte oder Glaubenssätze eine neue, weitere und tiefere Dimension. Es kann eine Möglichkeit entstehen tiefer zu blicken.

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Mit diesem letzten Gedanken möchte ich diesen Beitrag hier enden lassen, in dem Wissen, dass wir hier maximal begonnen haben Dekonstruktion anzudenken. Nun freue ich mich auf den Austausch in den Kommentaren.

Ein mögliche dekonstruktivistische Lesart der David-Goliath-Begebenheit findest du unter diesem Link bei Andi Gehrlach. Die angesprochene Lesart befindet sich im vierten Abschnitt und beginnt mit dem Wort „Jedoch“.

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Rezension von Brian McLaren: Everything must change. Jesus, Global Crises, and a Revolution of Hope, Nashville (USA): Nelson 2007 http://zeit-geist.info/2008/01/16/rezension-von-brian-mclaren-everything-must-change-jesus-global-crises-and-a-revolution-of-hope-nashville-usa-nelson-2007/ http://zeit-geist.info/2008/01/16/rezension-von-brian-mclaren-everything-must-change-jesus-global-crises-and-a-revolution-of-hope-nashville-usa-nelson-2007/#comments Wed, 16 Jan 2008 16:22:36 +0000 Thomas http://zeit-geist.info/2008/01/16/rezension-von-brian-mclaren-everything-must-change-jesus-global-crises-and-a-revolution-of-hope-nashville-usa-nelson-2007/ Nach „Die geheime Botschaft von Jesus“ (das ich nicht gelesen habe) legt McLaren nun einen Nachfolgeband vor, der das Thema „globale Herausforderungen“ in den Blick nimmt und auch ohne Vorkenntnisse der „geheimen Botschaft“ gut zu verstehen ist. Da ich von McLaren etwas reißerische Titel gewohnt war, war ich auch bei diesem anfangs etwas skeptisch. Aber ich muss sagen, das Buch hält, was der Titel verspricht. Es ist m. E. das bisher beste Buch von McLaren: informativ, mutmachend und herausfordernd.
Im ersten Teil erklärt der Autor, wie er überhaupt auf dazu gekommen ist, ein Buch über die weltweiten Probleme zu schreiben. Dieser Abschnitt ist zwar ganz nett zu lesen, aber mich hat er nicht wirklich bewegt. Richtig spannend wurde es erst ab dem zweiten Teil, der mit „Suicidal System“ („Selbstmordsystem“) überschrieben ist. In ihm finden wir nicht nur eine sehr überzeugende Synopse aus verschiedenen Problemlisten, die unterschiedliche internationale Organisationen und Einzelpersonen als drängendste Herausforderungen unseres Planeten beschrieben haben. Sehr eindrücklich und systematisch schildert McLaren auch, wie das „System“ aussieht, das diese Probleme produziert. Er unterscheidet dabei drei Untersysteme, die miteinander verbunden sind und sich gegenseitig bedingen. Alle drei Systeme werden im Folgenden näher erläutert und mit entsprechendem Zahlen- und Faktenmaterial untermauert (wobei der Hintergrund – wie sollte es auch anders sein – vorwiegend die US-amerikanische Perspektive ist):

  • Das „Prosperity System“ (Wohlstandssystem): Unsere Wirtschaft ist auf Wohlstandserzeugung aufgebaut. Das Mittel dazu sind die Märkte, in denen sich jeder mit seinen Gaben und Ideen einbringen kann. Die Dinge, die gesellschaftlich interessant sind, werden dadurch gefördert, die anderen können sich nicht durchsetzen.
  • Das „Security System“ („Sicherheitssystem“): Um den freien Austausch von Waren und Dienstleistungen sicherzustellen, muss ein Sicherheitsapparat geschaffen werden, der sowohl für den reibungslosen Ablauf sorgt wie auch für die Ahndung von Verstößen
  • Das „Equity System“ („Verteilungssystem“): Die freie Marktwirtschaft kann nur dann funktionieren, wenn Chancengleichheit und ein allgemeiner Zugang zu den Märkten besteht, in denen eine gute Verteilung der Güter stattfindet.

Diese drei Systeme bedingen sich gegenseitig und sind eingerahmt in der „framing story“, also dem gesamtgesellschaftlichen Mythos. Ist der Mythos destruktiv, wird daher auch das ganze System zu einer „Selbstmordmaschine“; ist der Mythos dagegen konstruktiv, wird das System zu positiven Ergebnissen führen.
McLaren versucht nun, wie ich finde, sehr überzeugend aufzuzeigen, dass unser gesellschaftlicher Mythos destruktiv ist und wir deshalb zwangsläufig die Welt an den Abgrund gebracht haben. Er macht verschiedene Elemente des destruktiven Mythos aus:

  • Wir glauben daran, dass Gewalt Probleme lösen kann. Befriedung geschieht daher bei uns vor allem dadurch, dass einer dem anderen seinen Willen aufzwingt.
  • Bei uns steht das Individuum im Mittelpunkt des Interesses, nicht die Gemeinschaft. Bei Entscheidungen hat die Gemeinschaft deshalb keine Stimme.
  • Wir leben im Jetzt und denken nicht an zukünftige Generationen, weshalb sie in unseren wirtschaftlichen und sonstigen Bilanzen auch keine Rolle spielen.
  • Sinn und Erfüllung suchen wir in materiellen Gütern und Vergnügungen und dabei in einem „immer mehr“ in allen Bereichen.

Durch diese und andere Mythen wird das System nach McLarens Ansicht zur „Selbstmordmaschine“. Der Teufelskreis sieht dabei in etwa folgendermaßen aus:

  • Durch den Individualismus wird generiert das „Wohlstandssystem“ den Wohlstand Einzelner, der vor allem dadurch entsteht, dass Güter der Gemeinschaft bzw. den zukünftigen Generationen entzogen werden. Das führt zu einer immer größer werdenden Abneigung der Armen gegenüber den Reichen, die bis hin zum Hass geht. Ebensolcher Hass entsteht auch bei den Reichen, die die Armen zunehmend als Bedrohung betrachten. Die Folge sind gegenseitige Abschottung und eine „Wir gegen die“-Mentalität.
  • Das „Sicherheitssystem“ versucht die so entstandene Unzufriedenheit niederzudrücken, agiert aber vor allem als Instrument der Reichen (die nicht nur von dem System profitieren, sondern es letztlich auch finanzieren). Es sorgt damit letzten Endes für eine Fortdauer der Ungerechtigkeit.
  • Das „Verteilungssystem“ gerät schließlich vollkommen aus dem Gleichgewicht, denn unsere Wirtschaft ist so aufgebaut, dass die, die über die entsprechenden Mittel verfügen, auch den Zugang zu den Märkten kontrollieren. Von einer gerechten Verteilung ist also nichts zu sehen, vielmehr wird sie (McLaren belegt das durch Statistiken) sowohl weltweit wie national betrachtet immer ungerechter.
  • Die Armen entdecken deshalb zunehmend, dass das System nicht ihnen, sondern den Reichen dient. Damit steigt ihr Hass und auf der anderen Seite das Sicherheitsbedürfnis. Die Folge sind Gewaltausbrüche und Terrorismus.
  • Hinzu kommt eine immer weiter anwachsende Umweltzerstörung, die dadurch bedingt wird, dass die Individuen nicht mehr kleinen Gemeinschaften gegenüber verantwortlich sind. Auch Großkonzerne, die Arbeitsplätze und Müll problemlos weltweit verschieben können, handeln in dieser Hinsicht wie Psychopathen.

Die Lösung dieser vertrackten Situation kann nach McLaren nicht in einem Herumdoktern an einzelnen Problemen bestehen, sondern „everything must change“, wie der Titel sagt. Ihm geht es um nichts weniger als um die Implementierung einer anderen „framing story“, die er aus dem Evangelium Jesu ableitet. In ihr gelten Werte wie Gemeinschaft, Ausgleich von Interessen, Gewaltfreiheit und ähnliches mehr. Wie man es von ihm gewohnt ist, legt McLaren in diesem Zusammenhang nicht nur den Finger auf einige wunde Punkte des evangelikalen Christentums (inklusive so heikler Fragen wie: Wie kann man von dem US-amerikanischen Volk, das zu 44% davon überzeugt ist, dass der Herr in den nächsten fünfzig Jahren wiederkommt, einen Beitrag zur Erhaltung der Schöpfung erwarten?), er liefert auch einige erfrischend andere Exegesen zu Evangelientexten.
Besonders gelungen finde ich zudem, wie McLaren das Riesenthema „globale Krise“ auf einige ganz konkrete Handlungsschritte herunterbrechen kann: Was müssen Staaten tun? Was können einzelne kleine Gemeinschaften tun? Was kann der Einzelne tun?
Das Buch endet mit einer Aufforderung zu einer „Revolution der Hoffnung“, zu der sich der Autor trotz seiner etwas pessimistischen Sicht der Lage durchringt. Hierin liegt jedoch auch die schon aus anderen Publikationen bekannte Schwäche McLarens. Da er in den biblischen Texten zur Eschatologie nur „Visionen“ sieht, aber nicht wirklich Bilder für die Zukunft, fehlt ihm auch der Grund für eine Hoffnung auf Besserung. Die Zukunft liegt damit ganz in der Hand des Menschen.
Den von ihm ausgemachten Problemen und daraus folgenden Herausforderungen und Handlungsaufforderungen tut das freilich überhaupt keinen Abbruch. Das Buch ist daher wärmstens zu empfehlen. Ich hoffe, dass es bald in deutscher Übersetzung zugänglich sein wird und auch hierzulande eine sehr breite Leserschaft finden wird. Auf dass die Revolution der Hoffnung ihren Anfang nehmen möge…

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http://zeit-geist.info/2008/01/16/rezension-von-brian-mclaren-everything-must-change-jesus-global-crises-and-a-revolution-of-hope-nashville-usa-nelson-2007/feed/ 9
„Bekehrung — Versuch einer Dekonstruktion” http://zeit-geist.info/2007/12/27/bekehrung-versuch-einer-dekonstruktion/ http://zeit-geist.info/2007/12/27/bekehrung-versuch-einer-dekonstruktion/#comments Thu, 27 Dec 2007 14:42:48 +0000 Tobias http://zeit-geist.info/2007/12/27/bekehrung-versuch-einer-dekonstruktion/ Es gibt eine vielfältige “Geschichte der Bekehrung”, sowohl in der Bibel und der Kirchengeschichte als auch in der persönlichen Tradition. Was aber ist “Bekehrung”? Die großen Kirchen sehen die Taufe als (rettendes) Sakrament, das das Handeln Gottes vor jedem menschlichen Handeln ausdrücken soll. Freikirchliche Evangelisten lassen aufstehen, andere nach vorne gehen, um die  menschliche Entscheidung zu unterstreichen. Viele erleben Bekehrung als tiefes, mystisches, eindrückliches und unvergessliches Gotteserlebnis. Manche können über ihre Bekehrung nach 20 Jahren nur unter Tränen reden, andere haben es längst vergessen. Bonhoeffer unterscheidet zwischen seelischer und geistlicher Bekehrung. Für Francke war das Datum wichtig, für Zinzendorf die Tränen. Reformierte betonen vor allem die Prädestination, bei der die Bekehrung in erster Linie als ein Werk Gottes am Menschen betrachtet wird. In vielen Ländern bedeutet Bekehrung den totalen Lebenswandel und Verfolgung, bei uns oft “nur” eine innere Umkehr. Auch in der Bibel scheint es unterschiedliche Schwerpunkte zu geben: bei Matthäus bedeutet Bekehrung eher Nachfolge, bei Johannes Neugeburt und eins werden mit dem Vater, bei Paulus gerechtfertigt werden aus Gnade.
1.    Wie hast du Bekehrung erlebt? In welcher “Bekehrungstradition”  stehst du?
2.    Theologische Frage: Was passiert im geistlich bei der Bekehrung?  (Was verstehst du theologisch unter Bekehrung?)

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Studientag in Marburg http://zeit-geist.info/2007/11/30/studientag-in-marburg/ http://zeit-geist.info/2007/11/30/studientag-in-marburg/#comments Fri, 30 Nov 2007 08:37:28 +0000 Thomas http://zeit-geist.info/2007/11/30/studientag-in-marburg/ Einen Studientag zu „Emerging Church“ durchzuführen, wie das „Emergent Deutschland“ am 28. November in Zusammenarbeit mit der Studien  und Lebensgemeinschaft Tabor und dem Marburger Bibelseminar getan hat, ist in vieler Hinsicht eine Herausforderung. Schon das Thema selbst ist in manchen Kreisen umstritten. Während die einen große Hoffnungen auf die „Emerging Church“ (was man in etwa mit „entstehende/ sich entwickelnde Gemeinde“ wiedergeben kann) setzen, sehen andere in ihr eine neue Bewegung des Liberalismus, die zu weiteren Einbrüchen in der evangelikalen Welt beitragen könnte. Mit dem Amerikaner Brian McLaren war zudem einer der profiliertesten und damit auch umstrittensten Vertreter dieser Bewegung eingeladen. Jason Clark, der mit ihm zusammen den Tag gestaltete, ist Leiter von „Emergent-UK“, einem lockeren Netzwerk von Pastoren und christlichen Leitern in Großbritannien.
Um es gleich vorweg zu sagen: Wer McLaren (wie ich) bisher nur aus Büchern kannte, war überrascht und vielleicht im positiven Sinne auch ein bisschen enttäuscht. Wie D.A. Carson, einer seiner konservativen Kritiker, einmal bemerkt hat, fällt es schwer, ihn nicht zu mögen. Von dem polarisierenden Stil, der manche seiner Veröffentlichungen prägt und sich in Buchtiteln wie „Die geheime Botschaft Jesu“ oder dem ganz neuen „Everything must change“ („Alles muss sich verändern“) niederschlägt, war während dieses Tages überhaupt nichts zu spüren. McLaren trat vielmehr sehr väterlich auf, als Suchender und Fragender, der keineswegs behaupten könne, die Antworten zu besitzen, weswegen er auch mehr Fragen aufwarf als beantwortete. Auch Jason Clark berichtete von nicht wenigen Herausforderungen, vor denen er als Gemeindeleiter steht, für die er bisher keine Lösung gefunden hat. Ziel des Tages war damit eher das gemeinsame Gespräch und nicht die Vorstellung eines Konzeptes. Bezeichnenderweise lehnte McLaren sogar den Begriff „Emerging Church“ ab und sprach stattdessen lieber von einer „Emerging Conversation“, einem sich entwickelnden Gespräch über die Konfessionen und Kontinente hinweg.

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Eine ausführliche Auseinandersetzung mit dem Studientag kann hier als PDF heruntergeladen werden.

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Emergent Deutschland http://zeit-geist.info/2007/11/27/emergent-deutschland/ http://zeit-geist.info/2007/11/27/emergent-deutschland/#comments Tue, 27 Nov 2007 07:42:55 +0000 Daniel http://zeit-geist.info/2007/11/27/emergent-deutschland/ Emergent Forum 2007

In dieser Woche nimmt Emergent Deutschland immer deutlicher Gestalt an. Dabei handelt es sich um eine offene Begegnungsplattform für alle diejenigen die sich mit Fragen nach Christsein und Kirche in unserer Zeit und dem Verhältnis von Evangelium und Kultur beschäftigen. Einige der Autoren des ZeitGeist-Buches haben sich in diesem Zusammenhang schon vernetzt, andere werden bei einigen der folgenden Veranstaltungen dabei sein. Wenn du das Buch gelesen hast und dich die Themen darin angesprochen haben, könnten die kommenden Treffen auch in deinem Interesse sein. Es wird zwei Studientage und ein Forum geben.


Studientag in Marburg
Am 28. November (Mittwoch) beginnt die Mini-Tour mit Brian und Jason mit einem theologischen Studientag in Marburg, für den Tobias Faix die Initiative übernommen hat. Inhaltlich geht es um die Herausforderung der Postmoderne für die Kirchen, darüber hinaus um Lösungsansätze bzw. Erfahrungen von Emerging Churches weltweit.

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Studientag in Hamburg
Am 29. November (Donnerstag) wiederholen wir dasselbe Programm dann in Hamburg. Lorenz Reithmeier von der Geistlichen Gemeindeerneuerung in der evangelischen Kriche (GGE) ist begeistert von Brians Jesus-Buch und das Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung (IEEG) aus Greifswald wird auch vertreten sein, ebenso wie verschiedene Ämter der hannoverschen und nordelbischen Landeskirchen. Beide Studientage stehen unter der Schirmherrschaft der Lausanner Bewegung (Koalition für Evangelisation).

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Emergent Forum in Erlangen
Für Emergent Deutschland und für das breite Publikum wird der Höhepunkt der Wochen das Forum in Erlangen sein: Am 1. und 2. Dezember (Samstag und Sonntag) wird es ein Forum mit Brian, Jason und einer ganzen Reihe deutscher Leute geben, bei dem es nicht aus distanzierter, akademischer Perspektive um viele Themen des emergenten Dialogs geht, sondern praktische, konkrete und engagierte Interaktion für alle, die sich gern tiefer darauf einlassen möchten.

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Wir freuen uns darauf dich zu treffen.

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